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Märchen und Sagen von verschiedenen Kontinenten

Die Rübe

In einem kleinen, weit entfernten Dorf wohnten eine Großmutter und ein Großvater. Sie hatten ein Enkelkind, ein Mädchen namens Olesia und einen Hund mit Namen Zhutschka sowie eine Katze, die Murka hieß. An einem wunderbar sonnigen Frühlingstag entschied sich der Großvater eine Rübe zu pflanzen. Alles ging gut, die Rübe wuchs während des Sommers zu einer stattlichen Rübe heran und im Herbst wurde es Zeit, sie herauszuziehen. Früh am Morgen stand der Großvater auf, um die Rübe zu ernten und der Großmutter zu bringen, damit sie daraus das Mittagessen zubereiten konnte. Aber sein Vorhaben erschien schwieriger als gedacht, denn als er an der Rübe zog, bewegte sie sich nicht von der Stelle. So oft er auch zog, es half nichts, die Rübe blieb, wo sie war, tief unter der Erde. Einen Moment dachte er nach, was zu tun war und rief die Großmutter, um ihm zu helfen. Der Großvater und die Großmutter zogen kräftig an der Rübe, aber die Rübe bewegte sich immer noch nicht. Sie riefen Olesia zu Hilfe. Der Großvater, die Großmutter und Olesia zogen mit vereinten Kräften an der Rübe. Trotz aller Mühe blieb die Rübe tief unter der Erde. Also riefen sie die Tiere herbei, zuerst den Hund Zhutschka und als das nichts half, die Katze Murka. Der Großvater, die Großmutter, Olesia, der Hund Zhutschka und die Katze Murka zogen an der Rübe. Diese bewegte sich zwar ein kleines Stück, kam aber noch immer nicht ganz heraus. Eine kleine Maus, die ganz in der Nähe wohnte, beobachtete die fünf und rannte herbei um mitzuziehen. Der Großvater, die Großmutter, Olesia – STOPP – ich erspare euch eine weitere Aufzählung. Ihr werdet es kaum glauben, aber mit Hilfe der Maus schafften sie es, die dicke Rübe aus dem Boden zu ziehen.

Was glaubt ihr, will uns dieses Märchen sagen? Als Kind verstand ich: Es ist sehr wichtig zusammen zu arbeiten, auch der kleinste von uns kann einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Weisheit, die Kinder groß werden und über sich hinauswachsen lässt. Deshalb wird dieses Märchen bei uns vermutlich auch von Genration zu Generation weiter erzählt: Ich hörte es von meiner Mutter, meine Mutter von meiner Großmutter, meine Großmutter von meiner Urgroßmutter und meine Urgroßmutter von… Snizhana Fedchenko


Chang E

Ein bekannte Sage in China ist die von Chang E. Chang E ist eine sehr schöne Frau. Eines Tages nimmt sie eine Medizin ein, die sie ewig leben lässt, und fliegt auf den Mond. Dort wohnt sie seitdem mit einem süßen Häschen und einem großen Baum. Chang E gilt in China als die Mondgöttin. Deshalb erfolgt die Erforschung des Mondes in China nach dem „Chang E Plan“. Hà Hồng Thuỷ Đặng, China


In Kolumbien gibt es viele mysteriöse Sagen. Zum Beispiel die Sage von „El Mohan“.

El Mohan ist ein Monster, das viele Haare auf dem Körper hat. Es hat große Hände, lange und scharfe Nägel. Besonders bei den Fischern ist El Mohan gefürchtet. Sie nennen ihn einen Wanderer, Abenteurer, Zauberer und Freigeist. Sie beschweren sich, weil er ihnen Ärger bei der Arbeit macht, beispielsweise verheddert er Fischernetze, entwendet Köder und Haken, er entführt sogar Männer, wenn sie nicht in die Kirche gehen oder wenn sie an einem heiligen Tag arbeiten. El Mohan verschleppt sie in Höhlen, die in den großen tiefen Flüssen liegen, von wo sie nie mehr auftauchen.

Die Waschfrauen nennen El Mohan den Mann in der Liebe, den Jäger von Mädchen, den Musiker, Hypnotiseur, den Betrüger und starken Mann. Als junge Frau muss man sich vor ihm in Acht nehmen, denn er taucht in der Regel als ein reicher Mann auf, der junge Mädchen, die ihm gefallen, in seine Höhlen verschleppt. Man erkennt ihn an seinen unzähligen goldenen Ringen, die er an der Hand trägt. Fischer berichten, dass sie das Lachen und Geschrei der verschleppten Frauen hören, wenn sie mit ihren Booten unterwegs sind. María A. Ortegón F., Kolumbien

El Dia de los Muertos

Wir feiern den Tod

Ariam del Roble Macias Herrera, Mexiko

Als ich kürzlich mit der Familie meines Freundes zu Abend aß, war die Stimmung düster, traurig und beklommen. Denn dies war kein gewöhnlicher Besuch, eine Woche zuvor war die Großmutter meines Freundes verstorben und die Familie trauerte um sie – wir waren auf einer Trauerfeier; alle waren schwarz gekleidet und blickten ernst. Diese Erfahrung war mir neu, denn in Mexiko veranstaltet man zu Ehren der Toten ein Freudenfest, bei dem die Menschen lachen, tanzen und bunte Kleider tragen. Ein gutes Beispiel dafür, wie man in Mexiko mit dem Tod umgeht, gibt meine Mutter. Wenn sie stirbt, sagt sie, möchte sie keine triste Trauerfeier. Im Gegenteil, sie wünscht sich eine fröhliche Beerdigung mit vielen bunten Blumen, leckerem Tequila und eine Mariachi-Band, die Lieder von Vicente Fernandez spielt.

Anders als in Deutschland ist man in Mexiko dem Tod gegenüber nämlich positiv eingestellt. Der Tod wird als ein natürlicher Teil des Lebens betrachtet, dem Geburt, Kindheit und Erwachsensein vorausgeht. Nach dem irdischen Leben setzt der Tote für die Mexikaner sein Leben im Jenseits fort. Wenn ein Familienmitglied stirbt, kommt die ganze Familie zusammen, um sich zu verabschieden. Auch wenn es eine traurige Zeit ist, versinken die Menschen nicht in Trauer, denn sie denken, die Toten wären beleidigt, wenn man ihrer nur mit ernster Miene gedenken würde. Auch nehmen die Verstorbenen weiterhin am gesellschaftlichen Leben teil. Denn nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten stets am 1. und 2. November jeden Jahres, dem Ende der Erntezeit, aus dem Jenseits zu Besuch. An diesen Tagen wird zu Ehren der Toten ein großes Volksfest, der Dia de los Muertos veranstaltet, bei dem die Toten gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen feiern. Der Schwerpunkt der Feier ist, sich zu erinnern und die verstorbenen Vorfahren zu ehren. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt zugleich.

Vergleichbar ist El Dia de los Muertos mit der amerikanischen Feier Halloween und der katholischen Feier Allerheiligen.

Am Dia de los Muertos treffen sich die Angehörigen an den Gräbern der Verstorbenen, die anlässlich des Festes besonders geschmückt werden. Am 1. November, dem Dia del los Inocentes, wird der verstorbenen Kinder gedacht. Ihre Gräber werden mit weißen Orchideen und Gipskraut geschmückt. Der 2. November, der Dia de Los Muertos, ist den verstorbenen Erwachsenen gewidmet, deren Gräber mit hellen, orangen Ringelblumen verziert werden.

Viele Familien bereiten Gaben für die Toten vor, die sogenannten oferendas. Denn es ist ein alter Glaube, dass die Toten nach ihrer langen Pilgerreise aus dem Jenseits müde und durstig auf der Erde ankommen. Daher werden Essen und Getränke für die Wiederkehr bereitgestellt. Dies umfasst zum Beispiel das Lieblingsgericht und das Lieblingsgetränk der Verstorbenen, ein süßes Brot (Pan de Muerto), ein Glas Wasser, Salz, Früchte und Süßigkeiten, wie etwa kleine Schädel aus Zucker (calaveras). Sogar Spielzeuge können für die Seelen der Kinder mitgebracht werden. Diese Gaben, sowie Kerzen und Portraits der Verstorbenen werden auf einem handgemachten Altar auf das Grab gestellt.

Geschichte des Dia de los Muertos

Die Ursprünge des Tages der Toten in Mexiko geht auf die Einheimischen Mesoamerikas, den Azteken, Mazas, Purepechas, Nahuas und Totonacs zurück. Das Ritual dieser Kulturen, das Leben der Vorfahren zu feiern, existiert seit etwa 3000 Jahren. Das Fest, das heutzutage als der Tag der Toten bekannt ist, fiel üblicherweise auf den neunten Monat des aztekischen Sonnenkalenders, ungefähr im August, und wurde einen ganzen Monat gefeiert. Die Feierlichkeiten wurden von der Göttin Mictecacihuatl, die als „Dama de la muerte“ bekannt ist, abgehalten. Als die spanischen Eroberer im fünfzehnten Jahrhundert Amerika erreichten, kamen ihnen die heidnischen Praktiken der einheimischen Bevölkerung unheimlich vor und sie versuchten die Einheimischen zum Katholizismus zu bekehren. Aus diesem Grund legten sie den Tag der Feierlichkeiten auf den ersten und zweiten November, so dass er mit den katholischen Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen übereinstimmte.

Obwohl der Tag der Toten in erster Linie eine mexikanische Überlieferung ist, wird das Ereignis in den Vereinigten Staaten und Kanada gefeiert, vor allem dort, wo es eine große mexikanische Bevölkerung gibt, wie zum Beispiel in Kalifornien oder im kanadischen Vancouver und in Britisch Columbia. Daneben ist El Dia de los Muertos auch in anderen Teilen Lateinamerikas und der Karibik verbreitet, die Brasilianer zum Beispiel feiern das Fest Finados.

Etwas zum Nachdenken…

Auf den einen oder anderen mögen die Totenrituale der Mexikaner vielleicht merkwürdig und befremdlich wirken. Ich glaube, wir alle können aus dieser Tradition etwas lernen und den Tod vielleicht positiver betrachten. Mir jedenfalls gibt diese Festlichkeit die Möglichkeit, mit meinen verstorbenen Verwandten jedes Jahr wieder zusammenzukommen. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass auf diese Weise die Toten nicht vergessen werden.

http://diadelosmuertos.yaia.com/historia.html

http://education.nationalgeographic.org/media/dia-de-los-muertos/

https://en.wikipedia.org/wiki/Day_of_the_Dead

Vorlesungen zum Frühsozialismus

Kolleg Friedrich Nietzsche in Weimar – Vorlesungen zum Frühsozialismus

Von Gabi Perabo

 Im Juni hielt Axel Honneth, Philosoph und Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, in Weimar, Erfurt und Jena eine Vorlesungsreihe zum Thema Frühsozialismus („Die Idee des Sozialismus – Versuch einer Aktualisierung“). Dazu eingeladen wurde er vom Kolleg Friedrich Nietzsche, für das er für das Jahr 2015 als „Distinguished Fellow“ tätig ist. Das Kolleg befasst sich unter anderem mit relevanten philosophischen Gegenwartsfragen. Honneth will mit seiner Vorlesungsreihe Ideen und Utopien des Frühsozialismus darstellen, und darüber hinaus sozialistische Konzepte neu formulieren – ein nicht gerade bescheidenes Unterfangen…

Weimar wirkt heute sehr herausgeputzt. Nach Spuren der DDR-Vergangenheit muss man mittlerweile schon suchen. Ohnehin konnte man Weimar mit Sozialismus nie so recht in Verbindung bringen.

Honneth begann seine erste Vorlesung mit der Feststellung, dass Utopien in der Gegenwart verschwunden seien. Es gebe zwar derzeit soziale Proteste gegen den Kapitalismus, aber ohne daß Visionen, Utopien, oder gesellschaftliche Gegenentwürfe angeboten würden. Aus diesem Grund geht der Philosoph der Frage nach, was mit den Utopien der Vergangenheit geschehen sei. Im Fokus steht für ihn dabei die Utopie des Sozialismus, wie sie im frühen 19. Jahrhundert formuliert wurde. Honneth meint damit die frühsozialistischen Bewegungen in Frankreich und England, die von Charles Fourier, Henri de Saint-Simon und Robert Owen angeregt wurden.

Zum Begriff des Sozialismus referiert Honneth, dieser sei im 19. Jahrhundert neu bestimmt worden. Bis dahin sei mit Sozialismus das Naturrecht mit dem Geselligkeitstrieb begründet worden. Die Frühsozialisten hätten dagegen an die Ideale der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ angeknüpft, die sie in der damaligen Gesellschaft als nicht erfüllt ansahen. Gleichzeitig sei, mit zunehmender Ausbreitung des kapitalistischen Marktes im 19. Jahrhundert, Widerstand in der Bevölkerung aufgekommen angesichts der zunehmenden Abhängigkeit von kapitalistischen Fabrik- und Landbesitzern. Den Frühsozialisten sei es um gesellschaftliche Einflussnahme auf Produktion und Markt gegangen.

Honneth betont jedoch, dass auch moralische und ethische Absichten neben den ökonomischen eine wichtige Rolle gespielt hätten. Es sei den Sozialisten um neue Formen des sozialen Zusammenlebens gegangen, um eine genossenschaftliche Organisierung, bei der im wechselseitigen Wohlwollen jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt werde. Für den Dreiklang „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, hätten für die Frühsozialisten weniger die Gleichheit, als die Freiheit und Brüderlichkeit im Mittelpunkt gestanden. Freiheit, hätten sie als Folge der französischen Revolution nur als formal-rechtliche Freiheit verwirklicht gesehen. Mit dem Ergebnis, dass sich ausschließlich privater Egoismus durchgesetzt habe (Die Kritik an der einseitigen Verwirklichung der Freiheit in der bürgerlichen Gesellschaft ist auch bei Karl Marx zu finden).

In der Vorstellung der Frühsozialisten entsteht dagegen Freiheit erst in der sozialen Gemeinschaft. Diese Vorstellung einer gemeinschaftlichen Freiheit steht also, wie Honneth betont, im Gegensatz zur Idee der ‚individuellen Freiheit’, die voraussetze, dass jeder Mensch für sich selbst frei sein könne. Der Charakter dieser neuen Beziehungen habe sich auch in Begriffen wie „Assoziation“ und „Kooperation“ ausgedrückt.

Als Beispiel für das Aufeinander-angewiesen-sein in einer arbeitsteiligen Gesellschaft nennt Honneth Berufe wie Bäcker und Zahnarzt, die jedes Gesellschaftsmitglied benötige.

Dieses Angewiesensein solle jedoch sozialistisch gewendet werden in eine wechselseitige Anerkennung der Bedürftigkeit der Gesellschaftsmitglieder untereinander. Freiheit und Brüderlichkeit, bzw. Solidarität sollten enger verbunden werden.

Honneth unterscheidet zwischen überlappenden und geteilten Zwecken in einer Gesellschaft. Der Markt sei ein Beispiel für überlappende Zwecke, bei dem sich die Menschen nur als individuelle Nutznießer aufeinander beziehen. Geteilte Zwecke dagegen hätten eine viel weiter reichende Grundlage. Bei geteilten Zwecken seien die Menschen nicht nur miteinander, sondern auch füreinander tätig. Sie würden die Ziele des anderen anerkennen und fördern. Dabei stelle sich die Frage, ob die Sozialisten mit ihren Ansprüchen an das gesellschaftliche Zusammenleben nicht ein spannendes neues Freiheitsmodell entwickelt hätten. (Dieses Freiheitsmodell scheint Honneth mit seinem Konzept der „sozialen Freiheit“ gleichzusetzen).

Kritisch sieht Honneth an den Ideen der Frühsozialisten (aber auch an der Ausrichtung von Karl Marx) deren einseitige Fokussierung auf die Produktion und das Ausklammern der politischen Sphäre. Dies gehe so weit, dass die Sozialisten davon ausgegangen seien, in einer zukünftigen Gesellschaft falle die politische Sphäre gänzlich weg und die Gesellschaft würde in Produktionseinheiten organisiert sein. Die Sozialdemokraten hätten diesem Nachteil begegnen wollen, indem sie den Begriff der Demokratie einbezogen hätten. Allerdings hätten sie dabei die Idee einer gemeinschaftlichen Produktion aufgegeben.

Abschließend betonte Honneth, dass die Theorien der Frühsozialisten durchaus mit der gleichzeitig stattfindenden Industrialisierung zusammenhingen. Der Sozialismus sei also auch in diesem Stadium ein „Kind der Industrialisierung“. Gerade von dieser Vergangenheit müsse er jedoch befreit werden, um wieder aktuell zu werden.

 

Ausstellung

                            Ausstellung der Zeitschrift Goethe D’Art   im Studienkolleg

                                                               „Treppengedichte“         IMG_6411                                        IMG_6416                                                 IMG_6417

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Liebe

Das Hertz ist geöffnet

Du kannst jetzt ein Teil von mir sein

Schmetterlinge im Bauch

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 Erinnerung

Wieder einmal

Du tauchst immer auf

Ich weiß, dass es dich gibt

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Die Zeit

Zeit ist Fluss

Sag nicht morgen. Mach heute

Morgen ist heute!

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Verliebt

Ich bin nicht ich

Ich will nicht ich sein

Du und ich sind wir

IMG_6439                                                                               Liebe

Das Herzt ist geöffnet

Der Gedanke an dich ist immer hier

Du bist mit mir

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 Die Liebe

Enttäuschung und Tränen…

Mein Weil ist zusammengebrochen

„Wir“ – existiert nicht mehr.

Über uns

Studierende an der Goethe-Uni Frankfurt und stammte aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Dies gewährleistet eine große Bandbreite an Themen und Ansichten  in unserer Zeitschrift.   Goethe D’Art erscheint auf Deutsch. Für viele von uns ins dies eine Fremdsprache. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen haben wir uns entschlossen, in dieser Sprache zu schreiben. Das Kunstwort D’Art im Titel unserer Zeitschrift ist dabei zugleich auch Programm. D’ steht für Deutsch und Art für Kunst. Denn einerseits ist es für uns manchmal eine „Kunst“, sich auf Deutsch ausdrücken. Anderseits ist Deutsch für uns aber auch ein Medium der Kunst, wie sich unschwer an unserem Beiträgen erkennen lässt.

Klischees von Ukrainern

Hier in Deutschland fragt jeder, der mich sprechen hört, ob ich aus Russland komme, und wenn ich antworte, dass ich  Ukrainerin bin, vermutet mein Gesprächspartner sofort, dass ich  aus der Ostukraine geflohen bin. Wahrscheinlich denken viele, dass Ukrainer aufgrund des Krieges ihr Land verlassen, um im Ausland ein besseres, friedlicheres Leben zu führen.  Aber es verhält sich nicht ganz so. Ja, die Ostukrainer fliehen, aber nicht in andere Länder, sondern in andere Städte der Ukraine.

Doch nicht nur die aktuelle Krisensituation in der Ukraine ist ein Grund, weshalb Europäer oft ungern die Ukraine besuchen. Wenn ich meine europäischen Bekannte oder Freunde in die Ukraine einlade, sagen sie in der Regel: „Es ist mir zu kalt bei euch im Winter,  ihr habt bestimmt -40 Grad Celsius“. Das ist falsch. Die Ukraine ist nicht Sibirien, bei uns herrscht das gleiche Wetter wie in Deutschland, denn beide Länder liegen auf demselben Breitengrad.

Ein weiteres Klischee, das ich sehr oft höre, ist, dass wir nur Wodka trinken würden, und das täglich. Ukrainer trinken gern und viel, aber nur wenn es ein Fest gibt oder man sich mit Freunden trifft. Alkoholische Getränke findet man zwar immer im Haus, aber nicht nur Wodka, wie vermutet. Sehr beliebt sind auch Cognac, Rotwein, Sekt und Bier. Ansonsten wird gerne und oft Tee getrunken. Zu den  beliebten Sommergetränken gehören Kvas und Birkensaft. Außerdem  belegt eine Studie, dass mehr Alkohol in Weißrussland, Moldawien und Litauen getrunken wird. Die Ukraine belegt nach dieser Studie nur den  sechsten Platz im jährlichen Alkoholkonsum pro Person. Kateryna Kvasnytsia

 

Über die Ukraine weiß man im Ausland im Allgemeinen wenig, wenn es auch durch den Krieg stärker ins Bewusstsein der übrigen Welt gerückt ist. Aber auch davor assoziierten die Menschen mit der Ukraine fast nur Negatives, wie etwa Tschernobyl, selten wurde und wird die Orange Revolution erwähnt. Viele verwechseln die Ukraine immer noch mit Russland. Die Leute, die die Ukraine mit Russland in Verbindung bringen, glauben, dass es dort sehr kalt ist. Doch Minusgrade werden dort auch nur im Winter erreicht. Ebenso ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Ukrainisch Ähnlichkeiten mit der russischen Sprache hat. Ukrainisch hat soviel Gemeinsamkeiten mit Russisch wie beispielsweise Englisch mit Holländisch (37-38% Differenzen im Wortschatz).

Analog zu den Italienern, die gerne als Nudelesser bezeichnet werden, werden Ukrainer gerne Speckesser genannt. Das hängt damit zusammen, dass die Ukraine ein Agrarland ist und bei den ehemals ländlichen Familien die Schweinezucht sehr populär war. Besonderen Wert legte man auf fette Schweinerassen und das Fett wurde auf verschiedene Weise aufgenommen und weiter verarbeitet. Heutzutage ist die Tradition der Schweinezucht allerdings verloren gegangen und die Vorliebe der jungen Generation für Speck hat nachgelassen. Auch in der Ukraine achten die jungen Menschen vermehrt auf eine gesunde Lebensweise, so dass man Speck fast nur noch in der traditionellen ukrainischen Küche findet.

Oft wird gesagt, dass Ukrainerinnen sehr hübsch sind. Über Geschmack lässt sich schwer schreiben, doch zu bemerken ist, dass Ukrainerinnen tatsächlich großen Wert auf ihr Äußeres legen, nicht ungeschminkt aus dem Haus gehen und gerne schöne Kleidung und Schuhe mit hohen Absätzen tragen.

Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass die Ukrainer gastfreundlich und hilfsbereit sind.

Julia Firsova

 

Klischees von Arabern

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Immer wieder werden Araber in den Medien vehement kritisiert. Auf Grund des fanatischen Verhaltens eines kleinen Prozentsatz von Leuten werden leider alle beurteilt und leiden unter einer unfairen Verallgemeinerung.

Als Araberin werde ich oft gefragt, ob ich Muslimin bin und viele zeigen sich überrascht, wenn ich Schweinefleisch esse oder Alkohol trinke. Es hilft dann auch nichts, wenn ich sage, dass ich Christin bin. In Arabischen Ländern gibt es nun einmal viele unterschiedliche Religionen. Allerdings ist das den meisten Menschen aus dem Westen nicht bewusst.

Manche belächeln die Größe arabischer Familien, doch meines Erachtens hat das eher Vorteile. Dadurch, dass arabische Familien weit verzweigt sind, entdeckt man  immer wieder neue Verwandte und jeder wohnt in einem anderen Land, so hat man überall in der Welt jemanden, an den man sich wenden kann und der einem Halt bietet.

Ein anderes Stereotyp ist, dass ein arabischer Mann mit vier Frauen verheiratet ist,  real betrachtet ist das jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Besonders gerne wird dieses Klischee aber auch in arabischen Fernsehserien aufgegriffen und dort eher von seiner humoristischen Seite gesehen. In diesen Serien wird häufig dargestellt, dass das Leben der Männer, die mit mehreren Frauen verheiratet sind, ein schrecklicher und nicht endend wollender Albtraum ist.

Am schwierigsten ist es allerdings gegen das Vorurteil anzukommen, dass jeder Araber ein Kamel vor der Tür stehen hat und in einem Zelt in der Wüste lebt.  Zum Glück sind wir zivilisiert und haben Staaten mit festen Gebäuden, die auch nicht unbedingt in der Wüste liegen müssen. In manchen Ländern ist man sogar gezwungen, sein eigenes Auto zu benutzen, weil es nur wenige öffentliche Verkehrsmittel gibt. Beispielsweise gibt es im Irak weder Straßenbahnen noch Züge, es stehen uns in der Stadt nur Taxen und Busse, aber keine Kamele(!) zur Verfügung. In dieser Beziehung hinken wir der Entwicklung noch hinterher.

Schließlich glauben viele, dass in Ägypten alle Shisha rauchen und jede Frau Bauchtanzen kann. Wahr ist, dass ein großer Anteil der männlichen Bevölkerung gerne Shisha raucht und Shisha rauchende Männer zum Straßenbild gehören, aber leider ist nicht jede Frau für den  Bauchtanz begabt.

 

Insgesamt empfinde ich die arabische Kultur als äußerst vielseitig und interessant, auch wenn gelegentlich primitive Vorstellungen von ihr verbreitet werden. Doch ist das nicht mit allen Kulturen der Fall? Mariam Awadalla

Klischees von Schweden

Manchmal werde ich gefragt, woher ich komme. Wenn ich „aus Schweden“ antworte, ergeben sich oft kuriose Dialoge. Ich habe schon erlebt, dass mein Gegenüber darauf erwiderte: „Ja, dort war ich auch schon einmal, besonders Zürich

finde ich sehr schön.“ „Die Hauptstadt von Schweden ist doch Zürich, oder?“

Oder manche glauben, dass die Muttersprache der Schweden Deutsch ist.

Am Anfang dachte ich, dass man mich wegen meiner Aussprache nicht richtig verstanden und Schweiz statt Schweden gehört habe. Was aber ein Irrtum war, manche verfügen wohl über wenige geografische Kenntnisse und setzen tatsächlich Schweden mit der Schweiz gleich.

Oft höre ich auch die Antwort: „Aus Schweden…?“ Dann wandert ihr Blick an mir herab und sie sehen eine kleine Person mit dunkelblonden Haaren und grünen Augen vor sich. „… Aber ich dachte Schweden sind groß, haben blonde Haare und blaue Augen!“

Dies ist eines der weit verbreitetsten Vorurteile über Skandinavier, dabei trifft diese Beschreibung auf nur knapp die Hälfte der skandinavischen Bevölkerung zu. Vielleicht wünschen sich aber auch die Menschen, dass wir im Norden so aussehen und es entspricht ihrem Geschmack.

Wenn man an Schweden denkt, denkt man unweigerlich an Schnee und Kälte. „Wie kann man bloß frieren, wenn man aus Schweden kommt, wo doch dort alle in Iglus wohnen und die Kinder in Skiern zur Schule fahren“, bekomme ich oft zu hören. Das stimmt natürlich nicht und wir frieren genau so viel wie alle anderen. Nur weiß eben jeder Schwede, dass es im Winter kalt wird und zieht sich vorsorglich warm an. Das bedeutet aber nicht, dass wir von Natur aus ,weniger frieren, sondern dass wir einfach klug genug sind,unsere Kleidung dem Wetter anzupassen.

Ebenso finden viele, dass die Menschen in Schweden sich zu oft über das Wetter beschweren. Ich würde sagen, wer so etwas behauptet, sieht das Land sehr oberflächlich. Natürlich findet man Schnee und Kälte schön, wenn man eine Woche im Skiurlaub in Schweden verbringt, aber das praktische Leben im Winter kann auf Dauer sehr anstrengend sein, wenn fast alles vom Wetter abhängig ist. Stell dir vor, draußen ist es völlig dunkel, mindestens minus 15 Grad Celsius,dir steht der Schnee bis zu den Knien und du müsstest 20 Zentimeter Schnee vom Auto bürsten und dann Eis von den Scheiben kratzen, und das jeden Morgen. Wenn man das fünf Monate im Jahr erfahren muss, hat man keine Lust mehr auf den Winter, glaube mir. Zudem ist es die dunkelste Jahreszeit, die Sonne geht erst um 9 Uhr auf und um 15 Uhr schon wieder unter. Es ist ganz natürlich, dass Menschen unter diesen Bedingungen depressiv werden, schließlich erleben sie ein halbes Jahr kaum oder kein Sonnenlicht.

Viele glauben auch, dass man auf Stockholms Straßen Eisbären treffen kann. Tatsächlich gibt es jedoch seit der letzten Eiszeit keine Eisbären mehr in Schweden und solange Eisbären nicht über 115 000 Jahre alt werden, besteht auch nicht die Gefahr, ihnen dort außerhalb des Zoos zu begegnen. Und wo es Eisbären gibt, können auch Pinguine nicht weit sein. Falsch! Lasst euch gesagt sein, Pinguine leben in der Antarktis und die liegt am anderen Ende der Welt.

Faszinierende Tiere, die es wirklich in Schweden gibt, sind z.B. Wölfe, Rentiere, Luchse und Elche. Straßenschilder mit einem Elch darauf weisen darauf hin, dass mit Elchen und Rentieren zu rechnen ist und besonders vorsichtig gefahren werden soll. Oft müssen diese Schilder allerdings ersetzt werden, da sie ein besonders beliebtes Souvenir bei deutschen Touristen sind und gerne geklaut werden. Sie landen dann an den Wänden in deutschen Heimen. Es mag ja sein, dass es über Schweden viel Merkwürdiges zu sagen gibt, dass aber Deutsche Elche so seltsam finden, dass sie sogar Schilder mit einem Elch darauf klauen, wird für mich immer ein Mysterium bleiben.  Therese Lindbom 

Die 1968er Porträts

Porträts

Studentenführer in Ost und West

die1968er

Adam Michnik (geboren am 17. Oktober 1946 in Warschau) gehört zu den bekanntesten Intellektuellen Polens. 1964 beginnt er das Studium der Geschichte an der Warschauer Universität, wird aber aufgrund seiner oppositionellen Tätigkeiten mehrmals von der Universität verweisen. Wegen seiner führenden Rolle bei den März-Ereignissen in Polen (siehe Seite 17) bekommt er schließlich endgültig seine Studentenrechte aberkannt und wird verhaftet. Erst Mitte der 70er Jahre wird ihm erlaubt weiter zu studieren, so dass er sein Studium abschließen kann. Auch danach setzt sich Michnik „für einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ ein. Von 1980 an ist er Berater der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc. Als 1970 das Kriegsrecht verhängt wird, wird er mit anderen Oppositionellen verhaftet. Das Angebot frei zu kommen, wenn er das Land verlässt, lehnt er in einem offenen Brief ab. 1984 wird er aus der vier Jahre andauernden Untersuchungshaft entlassen, doch 1985 wegen Beteiligung an Streikvorbereitungen in der Leninwerft Danzig erneuet für ein Jahr verhaftet. Nach seiner Freilassung setzt er sich für die Durchführung demokratischer Wahlen ein, wird selbst zum Angeordneten gewählt und gibt für Lech Walesa die Wahlzeitung „Solidarität“ (Gazeta Wyborcza Solidarnosc) heraus. Obwohl zunächst als reine Wahlkampfzeitung geplant, erscheint die Gazeta Wyborcza weiter und ist mittlerweile unter Michnik die auflagenstärke Tageszeitung des Landes. Heute stimmt Michnuk einen eher versöhnlichen  Ton an, indem er sich der Forderung nach einem „dicken Schlussstrich“ (gruba kreska) zugunsten des gesellschaftlichen Friedens anschließt. 2001 versöhnt er sich mit General Czeslaw Kiszczak, der früher für seine Inhaftierung verantwortlich war.

(Vgl. http://www.wikipedia.de, Stichwort: Adam Michnik).

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Rudi Dutschke (geboren am 07. März 1940 in Schönefeld/Mark Brandenburg, gestorben am 24. Dezember in Aarhus/Dänemark) gilt als Vordenker und Sprachrohr der Studentenbewegung in Deutschland. 1961 siedelt er nach West-Berlin über, um an der FU Berlin das Studium des Soziologie aufzunehmen. Dort wird er in den politischen Beirat des SDS gewählt. Nach dem Motto „ohne Provokation werden wir überhaupt nicht wahrgenommen“, ruft er zur Bildung einer außerparlamentarischen Opposition gegen die Große Koalition aus SPD und CDU/CSU auf. Unter anderem organisiert er zahlreiche Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, nimmt am Hungerstreik gegen den inhaftierten Fritz Teufel auf der Kommune I teil und ist Mitorganisator der Springer-Kampagne, in der die Enteignung Axel Springers gefordert wird. In Folge einer Hetzkampagne in der BILD-Zeitung wird auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 ein Attentat verübt, das er nur knapp überlebt. Nach dem Anschlag wird Dutschke an der FU Berlin zum Dr. Phil. promoviert. Am 24. Dezember 1979 stirbt er in Dänemark untertratet an den Spätfolgen des Attentats. Rudi Dutschke war ein Mann des Wortes, von terroristischen Aktionen grenze er sich deutlich ab, sie bezeichnete er als „Zerstörung der Vernunft“.

 

(Vgl. http://www.mythos-dutschke.de).