Archiv der Kategorie: Artikel

Märchen und Sagen von verschiedenen Kontinenten

Die Rübe

In einem kleinen, weit entfernten Dorf wohnten eine Großmutter und ein Großvater. Sie hatten ein Enkelkind, ein Mädchen namens Olesia und einen Hund mit Namen Zhutschka sowie eine Katze, die Murka hieß. An einem wunderbar sonnigen Frühlingstag entschied sich der Großvater eine Rübe zu pflanzen. Alles ging gut, die Rübe wuchs während des Sommers zu einer stattlichen Rübe heran und im Herbst wurde es Zeit, sie herauszuziehen. Früh am Morgen stand der Großvater auf, um die Rübe zu ernten und der Großmutter zu bringen, damit sie daraus das Mittagessen zubereiten konnte. Aber sein Vorhaben erschien schwieriger als gedacht, denn als er an der Rübe zog, bewegte sie sich nicht von der Stelle. So oft er auch zog, es half nichts, die Rübe blieb, wo sie war, tief unter der Erde. Einen Moment dachte er nach, was zu tun war und rief die Großmutter, um ihm zu helfen. Der Großvater und die Großmutter zogen kräftig an der Rübe, aber die Rübe bewegte sich immer noch nicht. Sie riefen Olesia zu Hilfe. Der Großvater, die Großmutter und Olesia zogen mit vereinten Kräften an der Rübe. Trotz aller Mühe blieb die Rübe tief unter der Erde. Also riefen sie die Tiere herbei, zuerst den Hund Zhutschka und als das nichts half, die Katze Murka. Der Großvater, die Großmutter, Olesia, der Hund Zhutschka und die Katze Murka zogen an der Rübe. Diese bewegte sich zwar ein kleines Stück, kam aber noch immer nicht ganz heraus. Eine kleine Maus, die ganz in der Nähe wohnte, beobachtete die fünf und rannte herbei um mitzuziehen. Der Großvater, die Großmutter, Olesia – STOPP – ich erspare euch eine weitere Aufzählung. Ihr werdet es kaum glauben, aber mit Hilfe der Maus schafften sie es, die dicke Rübe aus dem Boden zu ziehen.

Was glaubt ihr, will uns dieses Märchen sagen? Als Kind verstand ich: Es ist sehr wichtig zusammen zu arbeiten, auch der kleinste von uns kann einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Weisheit, die Kinder groß werden und über sich hinauswachsen lässt. Deshalb wird dieses Märchen bei uns vermutlich auch von Genration zu Generation weiter erzählt: Ich hörte es von meiner Mutter, meine Mutter von meiner Großmutter, meine Großmutter von meiner Urgroßmutter und meine Urgroßmutter von… Snizhana Fedchenko


Chang E

Ein bekannte Sage in China ist die von Chang E. Chang E ist eine sehr schöne Frau. Eines Tages nimmt sie eine Medizin ein, die sie ewig leben lässt, und fliegt auf den Mond. Dort wohnt sie seitdem mit einem süßen Häschen und einem großen Baum. Chang E gilt in China als die Mondgöttin. Deshalb erfolgt die Erforschung des Mondes in China nach dem „Chang E Plan“. Hà Hồng Thuỷ Đặng, China


In Kolumbien gibt es viele mysteriöse Sagen. Zum Beispiel die Sage von „El Mohan“.

El Mohan ist ein Monster, das viele Haare auf dem Körper hat. Es hat große Hände, lange und scharfe Nägel. Besonders bei den Fischern ist El Mohan gefürchtet. Sie nennen ihn einen Wanderer, Abenteurer, Zauberer und Freigeist. Sie beschweren sich, weil er ihnen Ärger bei der Arbeit macht, beispielsweise verheddert er Fischernetze, entwendet Köder und Haken, er entführt sogar Männer, wenn sie nicht in die Kirche gehen oder wenn sie an einem heiligen Tag arbeiten. El Mohan verschleppt sie in Höhlen, die in den großen tiefen Flüssen liegen, von wo sie nie mehr auftauchen.

Die Waschfrauen nennen El Mohan den Mann in der Liebe, den Jäger von Mädchen, den Musiker, Hypnotiseur, den Betrüger und starken Mann. Als junge Frau muss man sich vor ihm in Acht nehmen, denn er taucht in der Regel als ein reicher Mann auf, der junge Mädchen, die ihm gefallen, in seine Höhlen verschleppt. Man erkennt ihn an seinen unzähligen goldenen Ringen, die er an der Hand trägt. Fischer berichten, dass sie das Lachen und Geschrei der verschleppten Frauen hören, wenn sie mit ihren Booten unterwegs sind. María A. Ortegón F., Kolumbien

El Dia de los Muertos

Wir feiern den Tod

Ariam del Roble Macias Herrera, Mexiko

Als ich kürzlich mit der Familie meines Freundes zu Abend aß, war die Stimmung düster, traurig und beklommen. Denn dies war kein gewöhnlicher Besuch, eine Woche zuvor war die Großmutter meines Freundes verstorben und die Familie trauerte um sie – wir waren auf einer Trauerfeier; alle waren schwarz gekleidet und blickten ernst. Diese Erfahrung war mir neu, denn in Mexiko veranstaltet man zu Ehren der Toten ein Freudenfest, bei dem die Menschen lachen, tanzen und bunte Kleider tragen. Ein gutes Beispiel dafür, wie man in Mexiko mit dem Tod umgeht, gibt meine Mutter. Wenn sie stirbt, sagt sie, möchte sie keine triste Trauerfeier. Im Gegenteil, sie wünscht sich eine fröhliche Beerdigung mit vielen bunten Blumen, leckerem Tequila und eine Mariachi-Band, die Lieder von Vicente Fernandez spielt.

Anders als in Deutschland ist man in Mexiko dem Tod gegenüber nämlich positiv eingestellt. Der Tod wird als ein natürlicher Teil des Lebens betrachtet, dem Geburt, Kindheit und Erwachsensein vorausgeht. Nach dem irdischen Leben setzt der Tote für die Mexikaner sein Leben im Jenseits fort. Wenn ein Familienmitglied stirbt, kommt die ganze Familie zusammen, um sich zu verabschieden. Auch wenn es eine traurige Zeit ist, versinken die Menschen nicht in Trauer, denn sie denken, die Toten wären beleidigt, wenn man ihrer nur mit ernster Miene gedenken würde. Auch nehmen die Verstorbenen weiterhin am gesellschaftlichen Leben teil. Denn nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten stets am 1. und 2. November jeden Jahres, dem Ende der Erntezeit, aus dem Jenseits zu Besuch. An diesen Tagen wird zu Ehren der Toten ein großes Volksfest, der Dia de los Muertos veranstaltet, bei dem die Toten gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen feiern. Der Schwerpunkt der Feier ist, sich zu erinnern und die verstorbenen Vorfahren zu ehren. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt zugleich.

Vergleichbar ist El Dia de los Muertos mit der amerikanischen Feier Halloween und der katholischen Feier Allerheiligen.

Am Dia de los Muertos treffen sich die Angehörigen an den Gräbern der Verstorbenen, die anlässlich des Festes besonders geschmückt werden. Am 1. November, dem Dia del los Inocentes, wird der verstorbenen Kinder gedacht. Ihre Gräber werden mit weißen Orchideen und Gipskraut geschmückt. Der 2. November, der Dia de Los Muertos, ist den verstorbenen Erwachsenen gewidmet, deren Gräber mit hellen, orangen Ringelblumen verziert werden.

Viele Familien bereiten Gaben für die Toten vor, die sogenannten oferendas. Denn es ist ein alter Glaube, dass die Toten nach ihrer langen Pilgerreise aus dem Jenseits müde und durstig auf der Erde ankommen. Daher werden Essen und Getränke für die Wiederkehr bereitgestellt. Dies umfasst zum Beispiel das Lieblingsgericht und das Lieblingsgetränk der Verstorbenen, ein süßes Brot (Pan de Muerto), ein Glas Wasser, Salz, Früchte und Süßigkeiten, wie etwa kleine Schädel aus Zucker (calaveras). Sogar Spielzeuge können für die Seelen der Kinder mitgebracht werden. Diese Gaben, sowie Kerzen und Portraits der Verstorbenen werden auf einem handgemachten Altar auf das Grab gestellt.

Geschichte des Dia de los Muertos

Die Ursprünge des Tages der Toten in Mexiko geht auf die Einheimischen Mesoamerikas, den Azteken, Mazas, Purepechas, Nahuas und Totonacs zurück. Das Ritual dieser Kulturen, das Leben der Vorfahren zu feiern, existiert seit etwa 3000 Jahren. Das Fest, das heutzutage als der Tag der Toten bekannt ist, fiel üblicherweise auf den neunten Monat des aztekischen Sonnenkalenders, ungefähr im August, und wurde einen ganzen Monat gefeiert. Die Feierlichkeiten wurden von der Göttin Mictecacihuatl, die als „Dama de la muerte“ bekannt ist, abgehalten. Als die spanischen Eroberer im fünfzehnten Jahrhundert Amerika erreichten, kamen ihnen die heidnischen Praktiken der einheimischen Bevölkerung unheimlich vor und sie versuchten die Einheimischen zum Katholizismus zu bekehren. Aus diesem Grund legten sie den Tag der Feierlichkeiten auf den ersten und zweiten November, so dass er mit den katholischen Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen übereinstimmte.

Obwohl der Tag der Toten in erster Linie eine mexikanische Überlieferung ist, wird das Ereignis in den Vereinigten Staaten und Kanada gefeiert, vor allem dort, wo es eine große mexikanische Bevölkerung gibt, wie zum Beispiel in Kalifornien oder im kanadischen Vancouver und in Britisch Columbia. Daneben ist El Dia de los Muertos auch in anderen Teilen Lateinamerikas und der Karibik verbreitet, die Brasilianer zum Beispiel feiern das Fest Finados.

Etwas zum Nachdenken…

Auf den einen oder anderen mögen die Totenrituale der Mexikaner vielleicht merkwürdig und befremdlich wirken. Ich glaube, wir alle können aus dieser Tradition etwas lernen und den Tod vielleicht positiver betrachten. Mir jedenfalls gibt diese Festlichkeit die Möglichkeit, mit meinen verstorbenen Verwandten jedes Jahr wieder zusammenzukommen. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass auf diese Weise die Toten nicht vergessen werden.

http://diadelosmuertos.yaia.com/historia.html

http://education.nationalgeographic.org/media/dia-de-los-muertos/

https://en.wikipedia.org/wiki/Day_of_the_Dead

Ausstellung

                            Ausstellung der Zeitschrift Goethe D’Art   im Studienkolleg

                                                               „Treppengedichte“         IMG_6411                                        IMG_6416                                                 IMG_6417

IMG_6433

Liebe

Das Hertz ist geöffnet

Du kannst jetzt ein Teil von mir sein

Schmetterlinge im Bauch

IMG_6435

 Erinnerung

Wieder einmal

Du tauchst immer auf

Ich weiß, dass es dich gibt

IMG_6437

Die Zeit

Zeit ist Fluss

Sag nicht morgen. Mach heute

Morgen ist heute!

IMG_6438

Verliebt

Ich bin nicht ich

Ich will nicht ich sein

Du und ich sind wir

IMG_6439                                                                               Liebe

Das Herzt ist geöffnet

Der Gedanke an dich ist immer hier

Du bist mit mir

IMG_6441

 Die Liebe

Enttäuschung und Tränen…

Mein Weil ist zusammengebrochen

„Wir“ – existiert nicht mehr.

Klischees von Ukrainern

Hier in Deutschland fragt jeder, der mich sprechen hört, ob ich aus Russland komme, und wenn ich antworte, dass ich  Ukrainerin bin, vermutet mein Gesprächspartner sofort, dass ich  aus der Ostukraine geflohen bin. Wahrscheinlich denken viele, dass Ukrainer aufgrund des Krieges ihr Land verlassen, um im Ausland ein besseres, friedlicheres Leben zu führen.  Aber es verhält sich nicht ganz so. Ja, die Ostukrainer fliehen, aber nicht in andere Länder, sondern in andere Städte der Ukraine.

Doch nicht nur die aktuelle Krisensituation in der Ukraine ist ein Grund, weshalb Europäer oft ungern die Ukraine besuchen. Wenn ich meine europäischen Bekannte oder Freunde in die Ukraine einlade, sagen sie in der Regel: „Es ist mir zu kalt bei euch im Winter,  ihr habt bestimmt -40 Grad Celsius“. Das ist falsch. Die Ukraine ist nicht Sibirien, bei uns herrscht das gleiche Wetter wie in Deutschland, denn beide Länder liegen auf demselben Breitengrad.

Ein weiteres Klischee, das ich sehr oft höre, ist, dass wir nur Wodka trinken würden, und das täglich. Ukrainer trinken gern und viel, aber nur wenn es ein Fest gibt oder man sich mit Freunden trifft. Alkoholische Getränke findet man zwar immer im Haus, aber nicht nur Wodka, wie vermutet. Sehr beliebt sind auch Cognac, Rotwein, Sekt und Bier. Ansonsten wird gerne und oft Tee getrunken. Zu den  beliebten Sommergetränken gehören Kvas und Birkensaft. Außerdem  belegt eine Studie, dass mehr Alkohol in Weißrussland, Moldawien und Litauen getrunken wird. Die Ukraine belegt nach dieser Studie nur den  sechsten Platz im jährlichen Alkoholkonsum pro Person. Kateryna Kvasnytsia

 

Über die Ukraine weiß man im Ausland im Allgemeinen wenig, wenn es auch durch den Krieg stärker ins Bewusstsein der übrigen Welt gerückt ist. Aber auch davor assoziierten die Menschen mit der Ukraine fast nur Negatives, wie etwa Tschernobyl, selten wurde und wird die Orange Revolution erwähnt. Viele verwechseln die Ukraine immer noch mit Russland. Die Leute, die die Ukraine mit Russland in Verbindung bringen, glauben, dass es dort sehr kalt ist. Doch Minusgrade werden dort auch nur im Winter erreicht. Ebenso ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Ukrainisch Ähnlichkeiten mit der russischen Sprache hat. Ukrainisch hat soviel Gemeinsamkeiten mit Russisch wie beispielsweise Englisch mit Holländisch (37-38% Differenzen im Wortschatz).

Analog zu den Italienern, die gerne als Nudelesser bezeichnet werden, werden Ukrainer gerne Speckesser genannt. Das hängt damit zusammen, dass die Ukraine ein Agrarland ist und bei den ehemals ländlichen Familien die Schweinezucht sehr populär war. Besonderen Wert legte man auf fette Schweinerassen und das Fett wurde auf verschiedene Weise aufgenommen und weiter verarbeitet. Heutzutage ist die Tradition der Schweinezucht allerdings verloren gegangen und die Vorliebe der jungen Generation für Speck hat nachgelassen. Auch in der Ukraine achten die jungen Menschen vermehrt auf eine gesunde Lebensweise, so dass man Speck fast nur noch in der traditionellen ukrainischen Küche findet.

Oft wird gesagt, dass Ukrainerinnen sehr hübsch sind. Über Geschmack lässt sich schwer schreiben, doch zu bemerken ist, dass Ukrainerinnen tatsächlich großen Wert auf ihr Äußeres legen, nicht ungeschminkt aus dem Haus gehen und gerne schöne Kleidung und Schuhe mit hohen Absätzen tragen.

Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass die Ukrainer gastfreundlich und hilfsbereit sind.

Julia Firsova

 

Klischees von Arabern

g3BVUafiVfI

Immer wieder werden Araber in den Medien vehement kritisiert. Auf Grund des fanatischen Verhaltens eines kleinen Prozentsatz von Leuten werden leider alle beurteilt und leiden unter einer unfairen Verallgemeinerung.

Als Araberin werde ich oft gefragt, ob ich Muslimin bin und viele zeigen sich überrascht, wenn ich Schweinefleisch esse oder Alkohol trinke. Es hilft dann auch nichts, wenn ich sage, dass ich Christin bin. In Arabischen Ländern gibt es nun einmal viele unterschiedliche Religionen. Allerdings ist das den meisten Menschen aus dem Westen nicht bewusst.

Manche belächeln die Größe arabischer Familien, doch meines Erachtens hat das eher Vorteile. Dadurch, dass arabische Familien weit verzweigt sind, entdeckt man  immer wieder neue Verwandte und jeder wohnt in einem anderen Land, so hat man überall in der Welt jemanden, an den man sich wenden kann und der einem Halt bietet.

Ein anderes Stereotyp ist, dass ein arabischer Mann mit vier Frauen verheiratet ist,  real betrachtet ist das jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Besonders gerne wird dieses Klischee aber auch in arabischen Fernsehserien aufgegriffen und dort eher von seiner humoristischen Seite gesehen. In diesen Serien wird häufig dargestellt, dass das Leben der Männer, die mit mehreren Frauen verheiratet sind, ein schrecklicher und nicht endend wollender Albtraum ist.

Am schwierigsten ist es allerdings gegen das Vorurteil anzukommen, dass jeder Araber ein Kamel vor der Tür stehen hat und in einem Zelt in der Wüste lebt.  Zum Glück sind wir zivilisiert und haben Staaten mit festen Gebäuden, die auch nicht unbedingt in der Wüste liegen müssen. In manchen Ländern ist man sogar gezwungen, sein eigenes Auto zu benutzen, weil es nur wenige öffentliche Verkehrsmittel gibt. Beispielsweise gibt es im Irak weder Straßenbahnen noch Züge, es stehen uns in der Stadt nur Taxen und Busse, aber keine Kamele(!) zur Verfügung. In dieser Beziehung hinken wir der Entwicklung noch hinterher.

Schließlich glauben viele, dass in Ägypten alle Shisha rauchen und jede Frau Bauchtanzen kann. Wahr ist, dass ein großer Anteil der männlichen Bevölkerung gerne Shisha raucht und Shisha rauchende Männer zum Straßenbild gehören, aber leider ist nicht jede Frau für den  Bauchtanz begabt.

 

Insgesamt empfinde ich die arabische Kultur als äußerst vielseitig und interessant, auch wenn gelegentlich primitive Vorstellungen von ihr verbreitet werden. Doch ist das nicht mit allen Kulturen der Fall? Mariam Awadalla

Klischees von Schweden

Manchmal werde ich gefragt, woher ich komme. Wenn ich „aus Schweden“ antworte, ergeben sich oft kuriose Dialoge. Ich habe schon erlebt, dass mein Gegenüber darauf erwiderte: „Ja, dort war ich auch schon einmal, besonders Zürich

finde ich sehr schön.“ „Die Hauptstadt von Schweden ist doch Zürich, oder?“

Oder manche glauben, dass die Muttersprache der Schweden Deutsch ist.

Am Anfang dachte ich, dass man mich wegen meiner Aussprache nicht richtig verstanden und Schweiz statt Schweden gehört habe. Was aber ein Irrtum war, manche verfügen wohl über wenige geografische Kenntnisse und setzen tatsächlich Schweden mit der Schweiz gleich.

Oft höre ich auch die Antwort: „Aus Schweden…?“ Dann wandert ihr Blick an mir herab und sie sehen eine kleine Person mit dunkelblonden Haaren und grünen Augen vor sich. „… Aber ich dachte Schweden sind groß, haben blonde Haare und blaue Augen!“

Dies ist eines der weit verbreitetsten Vorurteile über Skandinavier, dabei trifft diese Beschreibung auf nur knapp die Hälfte der skandinavischen Bevölkerung zu. Vielleicht wünschen sich aber auch die Menschen, dass wir im Norden so aussehen und es entspricht ihrem Geschmack.

Wenn man an Schweden denkt, denkt man unweigerlich an Schnee und Kälte. „Wie kann man bloß frieren, wenn man aus Schweden kommt, wo doch dort alle in Iglus wohnen und die Kinder in Skiern zur Schule fahren“, bekomme ich oft zu hören. Das stimmt natürlich nicht und wir frieren genau so viel wie alle anderen. Nur weiß eben jeder Schwede, dass es im Winter kalt wird und zieht sich vorsorglich warm an. Das bedeutet aber nicht, dass wir von Natur aus ,weniger frieren, sondern dass wir einfach klug genug sind,unsere Kleidung dem Wetter anzupassen.

Ebenso finden viele, dass die Menschen in Schweden sich zu oft über das Wetter beschweren. Ich würde sagen, wer so etwas behauptet, sieht das Land sehr oberflächlich. Natürlich findet man Schnee und Kälte schön, wenn man eine Woche im Skiurlaub in Schweden verbringt, aber das praktische Leben im Winter kann auf Dauer sehr anstrengend sein, wenn fast alles vom Wetter abhängig ist. Stell dir vor, draußen ist es völlig dunkel, mindestens minus 15 Grad Celsius,dir steht der Schnee bis zu den Knien und du müsstest 20 Zentimeter Schnee vom Auto bürsten und dann Eis von den Scheiben kratzen, und das jeden Morgen. Wenn man das fünf Monate im Jahr erfahren muss, hat man keine Lust mehr auf den Winter, glaube mir. Zudem ist es die dunkelste Jahreszeit, die Sonne geht erst um 9 Uhr auf und um 15 Uhr schon wieder unter. Es ist ganz natürlich, dass Menschen unter diesen Bedingungen depressiv werden, schließlich erleben sie ein halbes Jahr kaum oder kein Sonnenlicht.

Viele glauben auch, dass man auf Stockholms Straßen Eisbären treffen kann. Tatsächlich gibt es jedoch seit der letzten Eiszeit keine Eisbären mehr in Schweden und solange Eisbären nicht über 115 000 Jahre alt werden, besteht auch nicht die Gefahr, ihnen dort außerhalb des Zoos zu begegnen. Und wo es Eisbären gibt, können auch Pinguine nicht weit sein. Falsch! Lasst euch gesagt sein, Pinguine leben in der Antarktis und die liegt am anderen Ende der Welt.

Faszinierende Tiere, die es wirklich in Schweden gibt, sind z.B. Wölfe, Rentiere, Luchse und Elche. Straßenschilder mit einem Elch darauf weisen darauf hin, dass mit Elchen und Rentieren zu rechnen ist und besonders vorsichtig gefahren werden soll. Oft müssen diese Schilder allerdings ersetzt werden, da sie ein besonders beliebtes Souvenir bei deutschen Touristen sind und gerne geklaut werden. Sie landen dann an den Wänden in deutschen Heimen. Es mag ja sein, dass es über Schweden viel Merkwürdiges zu sagen gibt, dass aber Deutsche Elche so seltsam finden, dass sie sogar Schilder mit einem Elch darauf klauen, wird für mich immer ein Mysterium bleiben.  Therese Lindbom 

Die 1968er Porträts

Porträts

Studentenführer in Ost und West

die1968er

Adam Michnik (geboren am 17. Oktober 1946 in Warschau) gehört zu den bekanntesten Intellektuellen Polens. 1964 beginnt er das Studium der Geschichte an der Warschauer Universität, wird aber aufgrund seiner oppositionellen Tätigkeiten mehrmals von der Universität verweisen. Wegen seiner führenden Rolle bei den März-Ereignissen in Polen (siehe Seite 17) bekommt er schließlich endgültig seine Studentenrechte aberkannt und wird verhaftet. Erst Mitte der 70er Jahre wird ihm erlaubt weiter zu studieren, so dass er sein Studium abschließen kann. Auch danach setzt sich Michnik „für einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ ein. Von 1980 an ist er Berater der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc. Als 1970 das Kriegsrecht verhängt wird, wird er mit anderen Oppositionellen verhaftet. Das Angebot frei zu kommen, wenn er das Land verlässt, lehnt er in einem offenen Brief ab. 1984 wird er aus der vier Jahre andauernden Untersuchungshaft entlassen, doch 1985 wegen Beteiligung an Streikvorbereitungen in der Leninwerft Danzig erneuet für ein Jahr verhaftet. Nach seiner Freilassung setzt er sich für die Durchführung demokratischer Wahlen ein, wird selbst zum Angeordneten gewählt und gibt für Lech Walesa die Wahlzeitung „Solidarität“ (Gazeta Wyborcza Solidarnosc) heraus. Obwohl zunächst als reine Wahlkampfzeitung geplant, erscheint die Gazeta Wyborcza weiter und ist mittlerweile unter Michnik die auflagenstärke Tageszeitung des Landes. Heute stimmt Michnuk einen eher versöhnlichen  Ton an, indem er sich der Forderung nach einem „dicken Schlussstrich“ (gruba kreska) zugunsten des gesellschaftlichen Friedens anschließt. 2001 versöhnt er sich mit General Czeslaw Kiszczak, der früher für seine Inhaftierung verantwortlich war.

(Vgl. http://www.wikipedia.de, Stichwort: Adam Michnik).

die1968er1

Rudi Dutschke (geboren am 07. März 1940 in Schönefeld/Mark Brandenburg, gestorben am 24. Dezember in Aarhus/Dänemark) gilt als Vordenker und Sprachrohr der Studentenbewegung in Deutschland. 1961 siedelt er nach West-Berlin über, um an der FU Berlin das Studium des Soziologie aufzunehmen. Dort wird er in den politischen Beirat des SDS gewählt. Nach dem Motto „ohne Provokation werden wir überhaupt nicht wahrgenommen“, ruft er zur Bildung einer außerparlamentarischen Opposition gegen die Große Koalition aus SPD und CDU/CSU auf. Unter anderem organisiert er zahlreiche Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, nimmt am Hungerstreik gegen den inhaftierten Fritz Teufel auf der Kommune I teil und ist Mitorganisator der Springer-Kampagne, in der die Enteignung Axel Springers gefordert wird. In Folge einer Hetzkampagne in der BILD-Zeitung wird auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 ein Attentat verübt, das er nur knapp überlebt. Nach dem Anschlag wird Dutschke an der FU Berlin zum Dr. Phil. promoviert. Am 24. Dezember 1979 stirbt er in Dänemark untertratet an den Spätfolgen des Attentats. Rudi Dutschke war ein Mann des Wortes, von terroristischen Aktionen grenze er sich deutlich ab, sie bezeichnete er als „Zerstörung der Vernunft“.

 

(Vgl. http://www.mythos-dutschke.de).

Ehrenamtliche Mitarbeit in der JVA

Ehrenamtliche Mitarbeit in der JVA (Justizvollzugsanstalt)

Izabela Zielinska (Polen)

IzabelaIch bin im 3. Semester und studiere Diplompädagogik an der Uni Frankfurt. Meine ehrenamtliche Arbeit kann ich teilweise auch für das Einführungspraktikum im Grundstudium verwenden. In meinem Heimatland Polen habe ich bereits eine Lehre als Fotografin abgeschlossen. Demnächst möchte ich anfangen, in der Bewährungshilfe zu arbeiten.

Fotos hinter Gittern
Ich warte vor der Pforte eines Jugendgefängnisses. Bevor ich hineingelassen werde, muss ich meinen Ausweis abgeben. Weil ich auf der Liste der Ehrenamtlichen stehe, geht das Tor für mich auf. Einer von den Beamten lässt mich rein.

Das ehemalige Kloster ist ummauert und mit Stacheldraht gesichert. Seit 1939 befindet sich hier die Justizvollzugsanstalt für männliche Jugendliche. Es ist sehr still hier. Jetzt schon, hinter der ersten Tür, fühle ich mich von der Außenwelt abgegrenzt. Der Weg an der Mauer entlang führt uns zu dem nächsten Tor. Mit einem der vielen Schlüssel wird es aufgemacht, nachdem ich hindurchgegangen bin, befinde ich mich in einem kleinen Hof. Der Beamte bringt mich zu weiteren Toren, die er hinter mir gleich abschließt. Ich bin in der Welt der jungen Menschen, die in dem Leben eine falsche Kurve genommen haben. Ich sehe die Kameras, die rund um die Uhr das Gelände beobachten. Ich lasse den Fußballplatz hinter mir und stehe vor einem der Häuser, in dem die strafgefangenen Jugendlichen wohnen. Vor jedem Haus befindet sich ein Platz, der eingezäunt ist und auf dem die Freistunde stattfindet. Ich schaue mich um. Jedes Gebäude sieht gleich aus: Ziegel, Fenster, Gitter… Die Aussicht wird durch die Mauern begrenzt. Es ist sehr ruhig hier.

Plötzlich höre ich Rap-Musik. Die Töne kommen aus dem Obergeschoss. Der Beamte begleitet mich bis zu der Station. Der lange Korridor der Station ist in drei Bereiche geteilt. Zwei davon sind abgesperrt und für Zellen bestimmt. Im mittleren Teil befinden sich der Raum für die Beamten, die Zimmer für die Sozialarbeiter, zwei freie Räume und die Küche. Im Zentralpunkt ist ein offener Raum, in dem sich die Jugendlichen in ihrer Freizeit treffen können. Als ich eintreffe, sind die Zellen gerade aufgeschlossen worden. Der Abend bringt Bewegung ins Haus. Es wird geredet, gespielt und gekocht. Es ist so wie in der Pause nach dem Unterricht. Während ich auf den mich betreuenden Sozialarbeiter warte, bleiben die Jungs bei mir stehen und fragen neugierig, wer ich bin und was ich hier mache. Sie sind freundlich, und meine Unsicherheit ist nicht mehr so stark. Ein paar von den jungen Männern kenne ich bereits von dem Weihnachtsfest (mein erster Besuch in der Anstalt). Wir kommen ins Gespräch. Es ist schwer zu glauben, dass die netten Jungs Schwerverbrecher sind. Was für ein Schicksal hat sie hierher geführt? Was haben sie getan, dass sie ein Teil ihres Lebens nun hinter Gittern verbringen müssen? Jetzt haben sie sich in Gruppen versammelt, spielen und lachen zusammen. Man sieht gleich, dass mehrere Nationalitäten hier aufeinander treffen. Das Schicksal hat sie zusammengeworfen. Mein Betreuer, der Sozialarbeiter und Leiter des Kurses, holt die Jugendlichen, die zur FOTO AG gehören. Der Fotokurs existiert neben den anderen Freizeitangeboten seit vielen Jahren. Ab heute gehöre ich dazu. Im Untergeschoss befindet sich eine kleine Dunkelkammer, in der die Kursteilnehmer ihre Schwarz-Weiß-Fotos entwickeln. Der Fotokurs ist wie eine „Insel“, auf der sich verschiedene Charaktere treffen, das soziale Lernen, die Gruppenarbeit hat Priorität, und es besteht die Möglichkeit zum freien Gespräch. Die Häftlinge lernen hier nicht nur die Entstehungsprozesse der Fotografie kennen,sondern auch die Grundsätze der Gruppenzugehörigkeit. Ich bin nun seit einem Jahr dabei und stehe dem Fotokursleiter und den Jungen zur Seite. Zusammen entwickeln wir neue Ideen und Themen für die „Fotos hinter Gittern“.Fotos hinter Gittern
Die Jugendlichen haben in der Zeit viele Tricks der Fotografie kennen gelernt. In einer netten, freundlichen Atmosphäre gestalten wir sinnvoll die Freizeit. Obwohl es zu ständig wechselnden Teilnehmern kommt, z. B. wegen Entlassungen, schafft es die Gruppe immer wieder zusammenzuwachsen. Ich bin gerne dabei und mit Begeisterung beobachte ich die Entwicklung in den Gruppenprozessen.

Während meines Praktikums im Jugendgefängnis habe ich eine mir unbekannte Welt kennen gelernt und bin jungen Menschen begegnet, denen ich in meinem Leben sonst nie begegnet wäre. Dadurch habe ich Zugang zu ihrer Wirklichkeit bekommen. In Einzelgesprächen, die ich seit ein paar Monaten führe, habe ich viel über das Leben hinter Gittern erfahren und über die Lebensgeschichte meiner Probanden* gehört. Aus den Kontakten lerne ich viel über die Jugendlichen und weiß, dass hinter der „bösen Fassade“ ein oft verletzter und vom Leben enttäuschter, einsamer Mensch steht. Ich wünschte, sie könnten aus der Schattenseite des Lebens heraustreten, Möglichkeiten für sich sehen und das Gute erleben. Leider haben viele von den jungen Männern ihre Hoffnung schon aufgegeben, und sehen keinen Ausweg. Unsere Aufgabe ist es, sie aufzuwecken und wieder in das gesellschaftliche Leben zu integrieren.

*Fachbegriff für die zu betreuenden Personen im Rahmen der Resozialisierung

Ein Uruguayer bei Schalke 04

Gespräch mit Dario Rodriguez – ein Uruguayer bei Schalke 04

Veronica Hellinger (Uruguay)

VeronicaFußballspielen im Ausland: Ein spannender und lukrativer Beruf mit Kehrseiten

 

 

Für einen Südamerikaner in Europa Fußball spielen zu können, ist eine Krönung im buchstäblichen Sinne: zum einen ist es eine Ehre unter den Besten zu sein, zum anderen ist es ein lukrativer Job. Aber eine Krone hat auch ein Gewicht, das manchmal schwer zu tragen ist. Hinter den Spielen, den Toren und den Triumphen verbirgt sich eine schwierige Situation, die die ausländischen Fußballspieler und ihre Familien bewältigen müssen. Denn sie sind in einem fremden Land und müssen sich in einer neuen Kultur zurechtfinden.

Besonders schwierig ist diese Situation für Spieler, die von weit her kommen, weil der Unterschied zwischen den Kulturen und dem Denken so riesig ist, dass man schon von unterschiedlichen Welten und nicht nur von unterschiedlichen Ländern sprechen kann. Dario Rodriguez (30) ist ein gutes Beispiel dafür. Er kommt aus Uruguay und spielt seit 2002 bei Schalke 04. Erfolgreich ist er jedoch nicht nur als Mittelfeldspieler, sondern auch im Leben. Nach drei Jahren beherrscht er die Situation in Deutschland. Doch am Anfang war es nicht so einfach, gibt er zu. Als er von seinem Manager sein zukünftiges Ziellanderfuhr, war der Schock groß. Denn Deutschland war in seinen Vorstellungen weit weg, fremd, kalt und grausam wie in den Kriegsfilmen und die Deutschen zurückhaltend und verschlossen. Eigentlich wäre er lieber in Uruguay geblieben, aber die Herausforderung in einer der besten Mannschaften zu spielen war doch groß.

Nach den bürokratischen Formalitäten und den ersten Kontakten per Telefon kam der erste Besuch in Deutschland und dann die Nervösität: Während der Vorstellung und der ersten ärztlichen Untersuchungen ist man nervös und aufgeregt. Man muss diese Prüfung bestehen, um in der Mannschaft bleiben und um den Vertrag unterschreiben zu können, sagt Dario Rodriguez. Danach, wenn man alles hinter sich hat, kann man feiern, weil der erste wichtige Schritt getan ist. Als Rodriguez die Zusage bekam, waren seine Gefühle gespalten: „Ich war glücklich, aber ich war allein mit meinem Manager hier in Deutschland und war traurig, so weit weg von der Familie zu sein, erläutert Dario Rodriguez, der vor elf Jahren eine ähnliche Erfahrung in Mexico gemacht hatte, als er bei der Mannschaft Toluca spielte. Allerdings hatte er damals einen Vorteil, denn er musste nicht gegen die Sprachbarriere ankämpfen. Das ist übrigens auch der Grund, warum die meisten Fußballspieler aus Uruguay Spanien oder Italien als Zielland wählen würden. Denn die Ähnlichkeit zwischen den romanischen Sprachen (Spanisch und Italienisch) ist sehr groß. Aber nichts ist unmöglich und Rodriguez lernte sofort Deutsch, als er mit seiner Frau in das Land kam. Ich war nicht gezwungen, Deutsch zu lernen. Es war nur ein Vorschlag, den ich angenommen hatte, und es hat mir viel geholfen, erklärt er. Parallel dazu lernt man das Land, seine Leute und seine Kultur kennen. Als Fußballspieler fand Dario Rodriguez diese neue Umgebung nicht so anders als sonst, weil nach seinen Aussagen die Bedingungen in den Spielen, während der Vorbereitung und in der Intimität der Gruppe überall dieselbe seien: Man weiß genau, was man im Feld machen muss, man muss dabei sehr konzentriert sein und hinter den Kulissen ist es wie in der Schulklasse, in der es immer sowohl einen fröhlichen als auch einen schüchternen, einen lustigen und einen langweiligen Mitschüler gibt.“Privat hatte Dario Rodriguez viel zu entdecken und seine Vorurteile zu überprüfen. So lobt er die Effizienz der deutschen öffentlichen Systeme, in denen alles funktioniert, die Pünktlichkeit, den Gerechtigkeitssinn und die Ehrlichkeit der Deutschen. Mit der Zeit konnte er das Klischee über den zurückhaltenden und verschlossenen Deutschen widerlegen: Es war eine angenehme Überraschung für mich zu entdecken, dass die Deutschen sehr nett, gastfreundlich und vertrauensvoll sind. Vielleicht brauchen sie ein bisschen mehr Zeit als die Südamerikaner, um ihre Gefühle zu zeigen, aber wenn es dann so weit ist, wisse man, dass man einen Freund für das ganze Leben habe, meint er.

Bemerkenswert ist, dass die Familie, besonders die Frauen der Fußballspieler, im Ausland unter Einsamkeit und Abhängigkeit von ihren Gefährten leiden, und für Rodriguez Frau war es nicht anders, bevor ihr Kind vor eineinhalb Jahren auf die Welt kam. Rodriguez weiß um das Opfer seiner Frau, die ihr Studium abbrach, um mit ihm zusammen nach Deutschland zu gehen. Er denkt schon daran, daß es Zeit wird, an ihre Projekte zurückzukehren, wenn seine Karriere als Fußballspieler beendet sein wird: Ich werde alles tun, um ihr zu helfen und um sie zu unterstützen, wenn sie mir sagt, dass sie weiter studieren möchte.“

„Wollen ist Können, sagt man, und deswegen kann Dario Rodriguez auch mit den Kehrseiten dieses spannenden und lukrativen Berufs umgehen. Aber es gibt noch zwei Punkte in diesem Anpassungsprozess, an die sich die uruguayische Familie nicht gewöhnen kann, und zwar an das deutsche Essen und das Wetter in Deutschland. Bei mir essen wir uruguayische Gerichte, die viele Gemeinsamkeiten mit der italienischen und spanischen Küche haben, erklärt Dario Rodriguez. Außerdem behält er stolz seine typische uruguayische“ Gewohnheit, Mate zu trinken, bei. Ich könnte nie ohne Mate leben. Besonders morgens fehlt mir etwas, wenn ich kein Mate trinke, sagt er. Außerdem vermisst er die Sonne.

Dario Rodriguez’Vertrag bei Schalke 04 ist gültig bis Ende dieser Saison (2006) und man kann noch nicht wissen, welche Mannschaft in Zukunft auf ihn warten wird. Aber das wichtigste im Moment ist für ihn die Saison mit dem rechten Fuß anzufangen, weil die ersten Spiele sehr wichtig sind, um einen guten Platz in der Tabelle der Bundesliga zu erreichen, sagt er zielbewusst. Sein anderes Ziel für diese Spielzeit ist als Fußballspieler der uruguayischen Nationalmannschaft Uruguay in der Weltmeisterschaft noch einmal repräsentieren zu können. Bis jetzt ist Uruguay zweimal Weltmeister (1930, 1950) gewesen. Doch im Moment steht es auf dem 5.Platz in der Qualifikationstabelle von der nur die ersten vier Länder an der Fußballweltmeisterschaft teilnehmen dürfen. Aber trotzdem ist noch nicht alles verloren. Es gibt noch Chancen darauf und wir werden alles tun, um 2006 in Deutschland dabei zu sein. Ich spüre, dass wir es noch schaffen können, sagt er kämpferisch. Das Trikot der Nationalmannschaft anzuziehen sei eine Ehre, deswegen fühlt man, dass man alles für die Heimat im Feld lassen muss. Die Heimat spielt für Dario Rodriguez eine große Rolle, dies erkennt man daran, dass er noch regelmäßig seine alten Freunde besucht, wenn er nach Uruguay fliegt. Trotz seines Erfolgs und seines Ruhms hat er seine Wurzeln nicht vergessen.