Archiv der Kategorie: Asien

Hund

Hund

Xinrong Guo (China)

XinrongWas taucht in Ihren Gedanken auf, wenn Sie an Deutschland denken? Sicher Bier oder Fußball. Was mich betrifft, denke ich sofort an Hund. Vielleicht versetzt Sie diese Antwort in Erstaunen. Doch während China die östliche Kultur vertritt, ist Deutschland ein typischer Vertreter des Abendlandes. Wegen dieser großen Kluft der Kulturen gerate ich häufig in Schwierigkeiten, seitdem ich in Deutschland wohne. Zunächst habe ich ein sprachliches Problem. Dazu kommen geographische Schwierigkeiten, nämlich die Namen von Straßen und damit die Orientierung zu behalten. Aus diesem Grund ist es meiner Meinung nach ein „Muss“, immer einen Kompass mitzunehmen. Außerdem werde ich gemäß dem Sprichwort „Aller Anfang ist schwer“, mit vielen kleinen Problemen konfrontiert. Im Laufe der Zeit verschwinden diese Probleme aber. Trotzdem gibt es noch ein riesiges Problem, das ich einfach nicht besiegen kann: HUNDE! Ich habe Angst vor Fleischfressern, und der Hund ist selbstverständlich keine Ausnahme. Ich möchte vor allem betonen, dass ich Hunde nicht hasse. Ich sehe sie mir sogar gerne an.

Nachdem der Besitzer dem Hund einen Befehl gegeben hat, macht er genau das, was man ihm sagt, wie ein braves Kind. Was ehrlich ein Wunder ist! Da lacht mir das Herz. Aber wenn der Hund dann zu mir kommt, schlägt mein Herz bis zum Hals, egal wie nett und hübsch er ist. Es passiert automatisch, dass ich auf einen Hund mit Stress reagiere. Der Grund liegt wahrscheinlich in der unterschiedlich kulturellen Erziehung. Ich halte immer eine bestimmte Distanz zu Hunden, weil sie auf mich ein bisschen gefährlich wirken.

Am Anfang meines Aufenthalts in Deutschland wies ich die Hundebesitzer auf meine Angst hin, wenn ich an ihren Hunden vorbeigehen musste. Anders als ich erwartet hatte, warfen die Besitzer mir dann manchmal kritische Blicke zu, was mir unangenehm war. Da ich mit derartigen Situationen jeden Tag konfrontiert werde, muss ich mir so schnell wie möglichetwas einfallen lassen. Ich habe zwei Alternativen: entweder einen Umweg gehen, sobald ich einen Hund sehe, oder mir ein Herz fassen und weitergehen, so als ob ich keinen Hund gesehen hätte.

Liebe Freundinnen und Freunde, das hier geschilderte Problem ist eigentlich nicht mein Fehler. Ich möchte auch nach dem Grundsatz leben, „when you are in Rome, do as a Roman“, aber ich bin leider nicht in der Lage, ohne Angst weiterzugehen. Meine Situation ist wissenschaftlich erklärbar. Wie ein Philosoph berichtet, wird ein großes Tier kaum unserer Aufmerksamkeit entgehen, denn es bedeutet in aller Regel nichts Gutes. Taucht dieses große Tier jedoch regelmäßig in unserer Umgebung auf, ohne dass etwas Schlimmes passiert, so verschwindet selbst ein so großes Tier zunehmend aus unserem Bewusstsein. Das heißt, wenn Sie einen auf der Straße gehenden riesigen Hund sehen, beansprucht er vielleicht nicht Ihre Aufmerksamkeit, während jedoch meine Aufmerksamkeit ganz auf ihn gerichtet ist. Stellen Sie sich vor, Sie würden Birma besuchen. Meiner Einschätzung nach werden Sie sich dann beim Anblick eines Elefanten auch nicht so verhalten, als würden Sie einen Hund sehen, dessen Anblick Ihnen zu Hause vertraut ist. Vielleicht können Sie sich jetzt in meine Lage versetzen und mich ein bisschen verstehen. Es besteht kein Zweifel, dass das Problem weder die braven Hunde noch ihre Besitzer betrifft, sondern meines ist. Ein solches Problem zu überwinden ist nicht so einfach. Ich brauche dafür Zeit und muss mich an den Anblick von Hunden gewöhnen.

Frankfurt ist eine internationale Metropole. Viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Religionen leben hier zusammen und sind in der Lage, freundlich miteinander umzugehen. Deswegen dürfte es auch nicht so schwer sein, dass Hundebesitzer ein bisschen mehr Rücksicht auf Leute wie mich nehmen, die Angst vor Hunden haben. Zumindest sollten sie keine unangenehmen Blicke auf Menschen werfen, die sich nicht trauen, an ihren Hunden vorbeizugehen.

Tiefgekühlt

Tiefgekühlt

Elena Agapova (Russland)

ElenaViele Menschen haben heutzutage die Möglichkeit ins Ausland zu fahren. Die Ziele einer solchen Reise sind unterschiedlich. Man fährt als Tourist, Student, Arbeiter oder als Immigrant. Jedes Mal bekommt man einen besonderen Eindruck von einem anderen Land. Man kann entweder angenehm überrascht sein und positive Erfahrungen sammeln oder aber einen Kulturschock bekommen.

Was mich angeht, möchte ich im folgenden Text eigene Eindrücke von meinem Aufenthalt in Deutschland beschreiben. In diesem Jahr habe ich mich entschieden in Deutschland zu studieren, aber schon früher war ich aus beruflichen Gründen ein paar Mal in diesem Land. Damals erschien mir alles schön und freundlich, weil Deutschland das Land war, das ich unbedingt kennen lernen wollte. Deswegen war ich ziemlich euphorisch und offen für alle Informationen, Erfahrungen und Eindrücke, die ich bekommen konnte.

Für einen längeren Aufenthalt in Deutschland bin ich vor sieben Monaten hierher gekommen. Seitdem habe ich mehr Gelegenheiten gehabt, wenn auch nicht das ganze Land, so doch einige Städte und ihre Bewohner kennen zu lernen. Obwohl ich bereits einige Unterschiede zwischen der deutschen und der russischen Kultur bemerkt habe, würde ich meine Eindrücke nicht als Kulturschock bezeichnen. Schon früher habe ich viel über dieses Land gelernt und gelesen, deswegen hatte ich nicht die große Erwartung, dass Deutschland meine Heimat komplett ersetzen könnte.

In Deutschland trifft man sehr selten auf aufrichtige russische Freigiebigkeit, Mitleid und menschliches Verständnis. Hier muss man alles sparen: jeden Wassertropfen, Strom und Lebensmittel. Man zeigt wenig Hilfsbereitschaft und eigene echte Gefühle. Solche Sparsamkeit kann auch ein Grund dafür sein, warum man es hier vorzieht, zu Hause gar nicht viel zu kochen. Man geht gerne in „Fast-Food“- Restaurants oder kauft Tiefkühlkost, die nur erhitzt werden muss. Deswegen vermisse ich manchmal meine nationale Küche, in der alles frisch zubereitet wird.

Wenn man die Verkehrsmittel vergleicht, sind die deutschen Busse und Züge moderner, bequemer und sauberer. Aber man ärgert sich sehr, wenn sich die S-Bahn verspätet oder überhaupt nicht kommt und es keine andere Möglichkeit gibt zu seinem Ziel zu fahren. Positiv an Deutschland ist auch die Qualität der Autobahn, der Bürgersteige und der Wege insgesamt. In Russland kümmert man sich darum selten und kommt ganz langsam zum europäischen Standard.

Im alltäglichen Leben ist es bestimmt möglich noch mehr Unterschiede zwischen diesen beiden Kulturen zu finden. Die Verschiedenheiten können irritieren, stören oder einfach unangenehm sein. Je länger man in einem anderen Land wohnt, desto selbstverständlicher findet man solche Ungleichheiten. Am Ende können sie sogar gefallen. Aber dennoch war, ist und wird die Heimat der Platz auf dieser Erde sein, wo man sich fast immer wohler, freier, sicherer, ruhiger und nützlicher fühlt.

Tot ohne Krankenschein

Tot ohne Krankenschein

Lilia Rupcheva (Russland)

Von Russland aus betrachtet scheint das Gesundheitssystem in Deutschland fast perfekt zu sein. Die Krankenhäuser sind neu und sehr komfortabel, die Geräte sind „das letzte Wort der Technik“, wie wir in Russland zu sagen pflegen, die Ärzte sind professionell und sehr freundlich. Aber wenn man dann tatsächlich als Ausländer nach Deutschland kommt und es einem passiert, dass man plötzlich krank wird und eine ausländische Krankenversicherung in der Tasche hat, wird man in den deutschen Krankenhäusern ganz anders behandelt als erwartet. Wenn man nicht vorhat, in 10 Minuten zu sterben, dann ist man kein Notfall und somit kein Fall für die Ärzte in den Krankenhäusern. Man muss zu einem niedergelassenen Arzt gehen.

Da ist auch alles schön und modern, doch schon bei der Anmeldung erklärte mir die Sprechstundenhilfe sehr höflich, dass meine russische Krankenversicherung in Deutschland nicht gültig ist, aber wenn ich wirklich Schmerzen hätte, könnte ich 200 Euro bezahlen und würde sofort nach den besten Bedingungen versorgt.

Daraufhin versuchte ich mich möglichst schnell bei einer deutschen Krankenkasse zu versichern, bevor ich noch zum Notfall für die Krankenhäuser würde. Aber die Versicherungsgesellschaft erklärte, wenn ich jetzt mit meinen Beschwerden zum Arzt ginge, würden sie die Behandlung nicht bezahlen, weil ich schon krank war, bevor ich mich bei ihnen versichert hatte.

Die Schlussfolgerung ist: wenn man nicht ausreichend krankenversichert ist, soll man entweder gesund bleiben oder fast tot sein, sodass die Ärzte einen als Notfall im Krankenhaus aufnehmen. Aber auf keinen Fall soll man zeigen, dass man noch sprechen kann, weil dann die Besprechung der Bedingungen der Krankenversicherung zuerst stattfindet.

Belegte Brötchen

Belegte Brötchen

Moheb Atiq (Afghanistan)

MohebAls ich am Anfang in Deutschland war, fuhr ich einmal nach Kassel. Im Zug vor mir saß ein Junge. Nach bereits kurzer Fahrtzeit wollte ich etwas essen und bat davon auch etwas dem kleinen Jungen an, er nahm ein belegtes Brötchen, dann aßen wir zusammen. Später fing er etwas zu essen an, ohne mir etwas anzubieten. Sein Verhalten war ganz neu für mich, weil bei uns in Afghanistan die Leute sich beim Essen gegenseitig etwas anbieten und das gehört zu unserer Kultur. Aber im Laufe der Zeit ist mir klar geworden, dass sein Verhalten hier in Deutschland normal ist.

 

Verhaltenskodex in Japan

Verhaltenskodex in Japan

Masafumi Yasunaga (Japan)

Was sollte man im Alltag/im Berufsleben beachten, wenn man in Japan ist?

Masafumi

Sprache(1):

Wenn ein Fremder nicht Japanisch sprechen kann, so kann er sich doch auf Englich verständigen, aber er sollte langsam und deutlich sprechen, sonst verstehen ihn die Leute schlecht.

Sprache(2):

Viele Japaner können den L-Laut nicht von dem R-Laut unterscheiden und sagen L, wenn sie R meinen. Ein Fremder, der einen Japaner nach dem Weg fragt, sollte deshalb nicht nach einem Licht suchen, wenn er die Auskunft bekommen, „Turn light, please!“, sondern einfach rechts abbiegen.

Sprache(3):

In der japanische Sprache gibt es ein Wort für „Entschuldigung!“ und „Danke schön!“. Haufig ist aber die erste Bedeutung gemeint. Wenn ein Fremder einem Japaner hilft und der Japaner „I am sorry!“ sagt, meint er eigentlich „Thank you very much!“.

Kommunikationspragmatik: Japaner haben die Tendenz, ihre Meinung nicht direkt zu äußern, auch wenn sie eine Entscheidung treffen sollen/müssen. Ein Fremder sollte z.B. ihre Gestik beachten, oder wiederholt danach fragen, was sein Sprechpartner meint.

Formalität:

Wenn ein fremder Mann eine Geschäftsreise nach Japan macht, darf er seine Krawatte nicht vergessen. Auch im Sommer, wenn die Temperatur bei 35 Grad liegt und die Luft schrecklich feucht ist, sollte er während der Arbeit eine Krawatte tragen.

Formalitätsausnahme: Ein Fremder muss nicht unbedingt Stäbchen benutzen, wenn er z.B. in einem japanischen Restaurant isst. Er darf frei einen kellner um ein Besteck bitten.

Was darf man auf keinen Fall tun, um nicht negativ aufzufallen?

Kontakt:

In einer formellen Situation sollte man Hautkontakt vermeiden, besonders zwischen Frauen und Männern. Es ist zwar ganz in Ordnung, dass ein Mann einer Frau die Hand gibt, aber eine Umarmung oder gar Küsse könnten sie in Verlegenheit bringen. Dagegen ist eine herzliche Begrüßung z.B. nach einem Flirt in der Disco erlaubt.

Gruß:

Wenn ein Fremder grüßt, kann er sich statt die Hand zu geben verbeugen wie ein Japaner. Dabei darf er aber nicht die Hände falten: Das macht normalerweise niemand in Japan, sondern ist beispielsweise in Indien üblich. Wenn er sich vor seinem Sprechpartner beugt und dabei die Hände faltet, bedeutet das, dass er den Sprechpartner als Gott verehrt oder ihn als Verstorbenen betrachtet und seiner Seele Ruhe bringt…

Einladung zu Hause:

In den meisten Fällen muss man in Haus des Gastgebers die Schuhe ausziehen, sonst wird man nie wieder eingeladen. Dagegen darf man die Schuhe im Büro nicht ausziehen.

Big in Japan – Mein Japan-Blog

Big in Japan – Mein Japan-Blog

Jutta Lingelbach , Christine Rühle

Der folgende Beitrag soll auf eine unterhaltsame Art und Weise das vermitteln, was man am besten schon vor einem Aufenthalt in Japan alles wissen oder wenigstens einmal gehört haben sollte. Es wird eine Art Worst-Case-Scenario beschrieben, d.h. alles, was innerhalb weniger Tage schief gehen kann, geht auch schief, nicht zuletzt aufgrund der einzigartigen Persönlichkeit unseres Protagonisten Heinz, der in Form eines Blogs seine Erlebnisse direkt aus Tôkyô schildert. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig und nicht von uns beabsichtigt.)

Mein Profil:

Hallo Leute, erst einmal vielen Dank, dass ihr euch meinen Blog anschaut! Ich heiße Heizn, bin 35 Jahre alt und arbeite als Manager in einer großen Firma. Ohne arrogant klingen zu wollen, aber ich mache mich auch wirklich hervorragend, da ist es also kein Wunder, dass mein Chef MICH dazu auserkoren hat, geschäftlich für einige Tage nach Tôkyô zu reisen, um dort mit potentiellen Geschäftspartnern einen Vertrag klar zu machen. Aber nun gut, ich werde jetzt noch schnell meine Tasche packen und dann geht es morgen schon los! Mein nächster Eintrag wird dann live aus Tôkyô kommen.

1.Tag: Ankunft

Ich bin angekommen, mehr oder weniger. Das Flugzeug-Essen hat mir ein wenig auf den Magen geschlagen und ich freue mich schon auf mein Bett oder besser gesagt auf eine Matte auf dem Boden, denn man hat mich doch tatsächlich in einen traditionell japanisch eingerichteten Raum einquartiert. Aber nun werde ich noch kurz von meiner Fahrt vom Flughafen zum Hotel berichten: Die Fahrt begann doch recht seltsam. Als ich mich vorne in das Taxi setzen wollte, habe ich an der Beifahrertür gezogen und gezogen, aber die Tür klemmte wohl. Anstatt dass sich der Fahrer von innen bemüht hätte, die Tür aufzustemmen, fuchtelte er nur wie wild mit seinen Armen herum, ich verstand nicht, was er mir sagen wollte; aber nun gut, dachte ich mir, setzt du dich halt hinten hin, denn wie heißt es doch so schön in der einen Auto-Werbung: Die wichtigsten Personen sitzen immer hinter.

Am Hotel angekommen wollte ich großzügig sein und steckte dem Herrn Fahrer ein deftiges Trinkgeld zu, doch er lehnte es strikt ab, ist das zu fassen?!

Schon ein komischer Kauz…Ach ja, gerade eben habe ich auch eine Erfahrung für mein Leben gemacht. Ich hab eine von diesen Hock-Toiletten benutzt. Mein Rückenproblem und ich können dazu nur eines sagen: Eine ähnliche Haltung wie beim Abfahrtsski, nur eben mit runtergelassenen Hosen.

Mit gemütlichem Zeitung lesen ist dann natürlich auch nichts, ich wollte mein Schicksal ja nicht noch herausfordern. Warum macht man daraus nicht einfach Fußbadbecken oder ähnliches und stellt stattdessen richtige Toiletten hin?! So, ich werde jetzt Schluss machen und mich hinlegen, ich will ja morgen fit sein für meinen Vortrag und die Verhandlungen.

2.Tag: Erkundungstour und Meeting

Tarantella </p><p>Tanz

Heute war es soweit, das erste Treffen mit unseren japanischen Freunden stand an. Da dieses jedoch erst gegen 15 Uhr stattfand, hatte ich noch ein wenig Zeit, Tôkyô allein unsicher zu machen. Ich erkundete also ein wenig die Gegend um mein Hotel herum und fand einen wunderbar ruhigen Ort zum Entspannen. Es handelt sich um einen Tempel mit einem prächtigen roten Eingangstor.

Da heute eine extreme Hitze war, kam mir auch das dort befindlich Wasserbecken mit den bereit liegenden Kellen gerade recht. Ich nahm ein paar kräftige Schlucke und setzte mich auf eine Bank in der Nähe, um meine Gedanken für das bevorstehende Meeting zu sammeln, schließlich wollte ich ja keinen Fauxpas begehen und so eventuell den Vertrag gefährden. Die Zeit verflog und mein Magen, der sich langsam wieder beruhigt hatte, meldete sich zu Wort. Ich machte mich also auf die Suche nach einem Restaurant und fand in einer Nebenstraße eine sehr gemütlich anmutende Gaststätte. Am Tisch sitzend brachte mir die reizende Kellnerin auch sogleich ein Kleines Tuch. Eigentlich fand ich das doch sehr unpassend, aber vielleicht ist das hier ja so Brauch und so wischte ich den Tisch selbst damit ab.

So wusste ich wenigstens, dass es ordentlich gemacht wird. Auf der Speisekarte konnte ich nichts von diesen Hieroglyphen lesen und tippte willkürlich, abenteuerlustig wie ich eben bin, auf Gericht. Was ich allerdings serviert bekam, war unzumutbar: klebriger Reis mit einer undefinierbaren, noch klebrigeren braunen Pampe aus Bohnen, deren Geschmack doch eher an Batteriesäure erinnerte als an ein essbares Mittagsmahl. Ich konnte gerade noch rechtzeitig die Stäbchen in die Schlüssel pfeffern und zur Toilette stürzen. Zum Glück fand ich auf dem Weg zur Besprechung noch einen Laden, in dem ich mir ein Sandwich besorgen konnte.

Jetzt aber endlich zum Meeting: ich weiß gar nicht, warum ich mir Gedanken über das Treffen gemacht hatte, alles verlief einfach wunderbar. Alle Anwesenden übergaben mir zur Beginn ihre Visitenkarten und ich verteilte natürlich auch meine. Danach dann mein großer Auftritt, mein Vortrag! Nach ungefähr 1,5 Stunden war ich auch schon fertig und ich denke, es kam alles Wichtige rüber. Schließlich haben einige danach fast meditativ anmutend mit geschlossenen Augen dagesessen und über mein Gesagtes nachgedacht… Danach ging es dann gemeinsam zu einem diesmal sehr köstlichen Essen und danach zum Karaoke.

Der Alkohol floss in Strömen und auch ich ließ mich dazu hinreißen, ein paar Lieder zu schmettern.

Meine Interpretation von Frank Sinatra kam sehr gut an, ich wollte das Mikrofon gar nicht mehr abgeben, so gut hat es mir gefallen.

3.Tag: Onsen und Einladung

Nachdem das Geschäftliche nun größtenteils besprochen war, konnte ich heute die angenehmen Seiten meines Aufenthalts auskosten. Ich bummelte ein wenig durch die Stadt, bis ich dann am späten Nachmittag ersten Mal einen Onsen in Anspruch nehmen konnte.

Eine feine Sache! Mit meiner sportlichen Badehose erntete ich viele anerkennende Blicke. Ich war allerdings sehr überrascht, dass sich die anderen erst ausgiebig abschrubbten, bevor sie ins Becken stiegen. Ist das nicht etwas übertrieben? Ich habe mir diesen Vorgang jedenfalls gespart. Sehr viel Platz zum Schwimmen hat man allerdings nicht und die Wassertemperatur ist auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich ließ es auf einen Versuch ankommen, mit meinem Schnorchel auf Tauchstation zu gehen.

Kurz darauf kamen zwei seltsame Männer und baten mich, das Bad zu verlassen. Spaßbremsen! Ich war gerade dabei, richtig Stimmung in den müden Laden zu bringen…Am Abend folgte ich der Einladung meines zukünftigen Geschäftspartners, bei ihm zu Hause essen. Natürlich habe ich keine Kosten und Mühlen gescheut und mir für diesen Anlass ein besonderes Geschenk ausgedacht: Edle bayrische Weißwürste mit Spitzensenf! Aber komischerweise waren seine Gattin und er an meinem Geschenk überhaupt nicht interessiert.

Sie verbeugten und bedanken sich zwar, stellten es aber ungeöffnet in die Ecke. Ich war darüber dann doch etwas entrüstet, schließlich ging der Überraschungseffekt auf diese Weise völlig flöten.

Ich habe mich dann dazu hinreißen lassen, das Geschenk selbst von seiner Zeitungspapierverpackung zu befreien, da sie sich partout nicht dazu bewegen ließen. Sie schienen etwas irritiert, aber manche Menschen muss man einfach zu ihrem Glück zwingen! Dir Freude war ihnen letztendlich doch deutlich anzumerken. Ein Volltreffer, meine Idee!

Das Essen schmeckte übrigens ganz fabelhaft, obwohl ich keine Ahnung habe, was mir da serviert wurde. Aber ich bin ja anpassungsfähig! Übrigens darf man in japanischen Häusern ja bekanntlich seine Schuhe nicht anbehalten, aber meine Gastgeber haben wohl bemerkt, dass ich an den Füßen fror und mir ganz reizende rosafarbene Schlappen hingestellt.

Ich bemerkte sie, als ich zur Toilette ging – sehr aufmerksam! Und ganz ohne dass ich etwas sagen musste! Ich habe sie natürlich auch die ganze Zeit über anbehalten. Man muss solche kleinen Gesten schließlich würdigen.

4.Tag: Abflug

Leider habe ich mir nun am letzten Tag noch einen ordentlichen Schnupfen eingefangen. Das ist zwar sehr lästig, aber ich bin wenigstens gut mit Taschentüchern versorgt worden – die werden einem nämlich unterwegs ständig in die Hand gedrückt. Solche nützlichen Werbegeschenke habe ich selten gesehen! Aber komischerweise reagierten meine Mitfahrer nicht sehr positiv, als ich in der Bahn ein paar Mal kräftig schnäuzte.

Ich selbst habe die ganze Zeit über keinen Japaner gesehen, der diese Taschentücher tatsächlich benutzt.

Als meine Kollegen aus Deutschland anriefen, stand ich auch wieder im absoluten Mittelpunkt, denn mein i-phone ist schon ein echter Hingucker. Ich konnte die neidischen Blicke selbst von hinten spüren!

Und da mit großer Wahrscheinlichkeit niemand meine Sprache verstehen kann, konnte ich so viel und laut reden, wie ich wollte… ein befreiendes Gefühl! Am Flughafen machte ich dann auch die erste Bekanntschaft mit einer dieser sagenumwobenen Hightech-Toiletten.Wahnsinn, was es da für Knöpfe gibt! Ich habe vorsichtshalber mal alle gedrückt – und löste damit ein wahres Konzert aus. Klassische Musik, Springbrunnen, rotierende Klobrille…, aber die Spülung habe ich nicht gefunden. Als ich dachte, ich hätte sie, ertönte ein schriller Alarm.

Vielleicht hätte ich den Knopf mit der roten Aufschrift doch lieber ignorieren sollen, aber der panikartige Tumult löste sich bald wieder in Wohlgefallen auf und ich konnte unbehelligt meinen Rückflug antreten.

Abschließend kann ich nur sagen, dass diese Reise nach Japan auf jeden Fall eine wunderbare Erfahrung für mich war. Ich habe mich schnell an die Gepflogenheiten angepasst und kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich dort ohne Probleme für längere Zeit leben könnte.

Vielleicht habe ich meine Berufung gefunden – denn ich könnte mir durchaus vorstellen, als „Kulturbotschafter“ einige Workshops für „Interkulturelle Sensibilität“ anzubieten. Etwas sauer stößt mir allerdings schon auf, dass sich meine japanischen Vertragspartner bis jetzt noch nicht gemeldet haben… naja, man muss ihnen Zeit lassen.

Ich bin ja geduldig.

In diesem Sinne: Sayonara!