Archiv der Kategorie: Klischees

Klischees von Ukrainern

Hier in Deutschland fragt jeder, der mich sprechen hört, ob ich aus Russland komme, und wenn ich antworte, dass ich  Ukrainerin bin, vermutet mein Gesprächspartner sofort, dass ich  aus der Ostukraine geflohen bin. Wahrscheinlich denken viele, dass Ukrainer aufgrund des Krieges ihr Land verlassen, um im Ausland ein besseres, friedlicheres Leben zu führen.  Aber es verhält sich nicht ganz so. Ja, die Ostukrainer fliehen, aber nicht in andere Länder, sondern in andere Städte der Ukraine.

Doch nicht nur die aktuelle Krisensituation in der Ukraine ist ein Grund, weshalb Europäer oft ungern die Ukraine besuchen. Wenn ich meine europäischen Bekannte oder Freunde in die Ukraine einlade, sagen sie in der Regel: „Es ist mir zu kalt bei euch im Winter,  ihr habt bestimmt -40 Grad Celsius“. Das ist falsch. Die Ukraine ist nicht Sibirien, bei uns herrscht das gleiche Wetter wie in Deutschland, denn beide Länder liegen auf demselben Breitengrad.

Ein weiteres Klischee, das ich sehr oft höre, ist, dass wir nur Wodka trinken würden, und das täglich. Ukrainer trinken gern und viel, aber nur wenn es ein Fest gibt oder man sich mit Freunden trifft. Alkoholische Getränke findet man zwar immer im Haus, aber nicht nur Wodka, wie vermutet. Sehr beliebt sind auch Cognac, Rotwein, Sekt und Bier. Ansonsten wird gerne und oft Tee getrunken. Zu den  beliebten Sommergetränken gehören Kvas und Birkensaft. Außerdem  belegt eine Studie, dass mehr Alkohol in Weißrussland, Moldawien und Litauen getrunken wird. Die Ukraine belegt nach dieser Studie nur den  sechsten Platz im jährlichen Alkoholkonsum pro Person. Kateryna Kvasnytsia

 

Über die Ukraine weiß man im Ausland im Allgemeinen wenig, wenn es auch durch den Krieg stärker ins Bewusstsein der übrigen Welt gerückt ist. Aber auch davor assoziierten die Menschen mit der Ukraine fast nur Negatives, wie etwa Tschernobyl, selten wurde und wird die Orange Revolution erwähnt. Viele verwechseln die Ukraine immer noch mit Russland. Die Leute, die die Ukraine mit Russland in Verbindung bringen, glauben, dass es dort sehr kalt ist. Doch Minusgrade werden dort auch nur im Winter erreicht. Ebenso ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Ukrainisch Ähnlichkeiten mit der russischen Sprache hat. Ukrainisch hat soviel Gemeinsamkeiten mit Russisch wie beispielsweise Englisch mit Holländisch (37-38% Differenzen im Wortschatz).

Analog zu den Italienern, die gerne als Nudelesser bezeichnet werden, werden Ukrainer gerne Speckesser genannt. Das hängt damit zusammen, dass die Ukraine ein Agrarland ist und bei den ehemals ländlichen Familien die Schweinezucht sehr populär war. Besonderen Wert legte man auf fette Schweinerassen und das Fett wurde auf verschiedene Weise aufgenommen und weiter verarbeitet. Heutzutage ist die Tradition der Schweinezucht allerdings verloren gegangen und die Vorliebe der jungen Generation für Speck hat nachgelassen. Auch in der Ukraine achten die jungen Menschen vermehrt auf eine gesunde Lebensweise, so dass man Speck fast nur noch in der traditionellen ukrainischen Küche findet.

Oft wird gesagt, dass Ukrainerinnen sehr hübsch sind. Über Geschmack lässt sich schwer schreiben, doch zu bemerken ist, dass Ukrainerinnen tatsächlich großen Wert auf ihr Äußeres legen, nicht ungeschminkt aus dem Haus gehen und gerne schöne Kleidung und Schuhe mit hohen Absätzen tragen.

Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass die Ukrainer gastfreundlich und hilfsbereit sind.

Julia Firsova

 

Klischees von Arabern

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Immer wieder werden Araber in den Medien vehement kritisiert. Auf Grund des fanatischen Verhaltens eines kleinen Prozentsatz von Leuten werden leider alle beurteilt und leiden unter einer unfairen Verallgemeinerung.

Als Araberin werde ich oft gefragt, ob ich Muslimin bin und viele zeigen sich überrascht, wenn ich Schweinefleisch esse oder Alkohol trinke. Es hilft dann auch nichts, wenn ich sage, dass ich Christin bin. In Arabischen Ländern gibt es nun einmal viele unterschiedliche Religionen. Allerdings ist das den meisten Menschen aus dem Westen nicht bewusst.

Manche belächeln die Größe arabischer Familien, doch meines Erachtens hat das eher Vorteile. Dadurch, dass arabische Familien weit verzweigt sind, entdeckt man  immer wieder neue Verwandte und jeder wohnt in einem anderen Land, so hat man überall in der Welt jemanden, an den man sich wenden kann und der einem Halt bietet.

Ein anderes Stereotyp ist, dass ein arabischer Mann mit vier Frauen verheiratet ist,  real betrachtet ist das jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Besonders gerne wird dieses Klischee aber auch in arabischen Fernsehserien aufgegriffen und dort eher von seiner humoristischen Seite gesehen. In diesen Serien wird häufig dargestellt, dass das Leben der Männer, die mit mehreren Frauen verheiratet sind, ein schrecklicher und nicht endend wollender Albtraum ist.

Am schwierigsten ist es allerdings gegen das Vorurteil anzukommen, dass jeder Araber ein Kamel vor der Tür stehen hat und in einem Zelt in der Wüste lebt.  Zum Glück sind wir zivilisiert und haben Staaten mit festen Gebäuden, die auch nicht unbedingt in der Wüste liegen müssen. In manchen Ländern ist man sogar gezwungen, sein eigenes Auto zu benutzen, weil es nur wenige öffentliche Verkehrsmittel gibt. Beispielsweise gibt es im Irak weder Straßenbahnen noch Züge, es stehen uns in der Stadt nur Taxen und Busse, aber keine Kamele(!) zur Verfügung. In dieser Beziehung hinken wir der Entwicklung noch hinterher.

Schließlich glauben viele, dass in Ägypten alle Shisha rauchen und jede Frau Bauchtanzen kann. Wahr ist, dass ein großer Anteil der männlichen Bevölkerung gerne Shisha raucht und Shisha rauchende Männer zum Straßenbild gehören, aber leider ist nicht jede Frau für den  Bauchtanz begabt.

 

Insgesamt empfinde ich die arabische Kultur als äußerst vielseitig und interessant, auch wenn gelegentlich primitive Vorstellungen von ihr verbreitet werden. Doch ist das nicht mit allen Kulturen der Fall? Mariam Awadalla

Klischees von Schweden

Manchmal werde ich gefragt, woher ich komme. Wenn ich „aus Schweden“ antworte, ergeben sich oft kuriose Dialoge. Ich habe schon erlebt, dass mein Gegenüber darauf erwiderte: „Ja, dort war ich auch schon einmal, besonders Zürich

finde ich sehr schön.“ „Die Hauptstadt von Schweden ist doch Zürich, oder?“

Oder manche glauben, dass die Muttersprache der Schweden Deutsch ist.

Am Anfang dachte ich, dass man mich wegen meiner Aussprache nicht richtig verstanden und Schweiz statt Schweden gehört habe. Was aber ein Irrtum war, manche verfügen wohl über wenige geografische Kenntnisse und setzen tatsächlich Schweden mit der Schweiz gleich.

Oft höre ich auch die Antwort: „Aus Schweden…?“ Dann wandert ihr Blick an mir herab und sie sehen eine kleine Person mit dunkelblonden Haaren und grünen Augen vor sich. „… Aber ich dachte Schweden sind groß, haben blonde Haare und blaue Augen!“

Dies ist eines der weit verbreitetsten Vorurteile über Skandinavier, dabei trifft diese Beschreibung auf nur knapp die Hälfte der skandinavischen Bevölkerung zu. Vielleicht wünschen sich aber auch die Menschen, dass wir im Norden so aussehen und es entspricht ihrem Geschmack.

Wenn man an Schweden denkt, denkt man unweigerlich an Schnee und Kälte. „Wie kann man bloß frieren, wenn man aus Schweden kommt, wo doch dort alle in Iglus wohnen und die Kinder in Skiern zur Schule fahren“, bekomme ich oft zu hören. Das stimmt natürlich nicht und wir frieren genau so viel wie alle anderen. Nur weiß eben jeder Schwede, dass es im Winter kalt wird und zieht sich vorsorglich warm an. Das bedeutet aber nicht, dass wir von Natur aus ,weniger frieren, sondern dass wir einfach klug genug sind,unsere Kleidung dem Wetter anzupassen.

Ebenso finden viele, dass die Menschen in Schweden sich zu oft über das Wetter beschweren. Ich würde sagen, wer so etwas behauptet, sieht das Land sehr oberflächlich. Natürlich findet man Schnee und Kälte schön, wenn man eine Woche im Skiurlaub in Schweden verbringt, aber das praktische Leben im Winter kann auf Dauer sehr anstrengend sein, wenn fast alles vom Wetter abhängig ist. Stell dir vor, draußen ist es völlig dunkel, mindestens minus 15 Grad Celsius,dir steht der Schnee bis zu den Knien und du müsstest 20 Zentimeter Schnee vom Auto bürsten und dann Eis von den Scheiben kratzen, und das jeden Morgen. Wenn man das fünf Monate im Jahr erfahren muss, hat man keine Lust mehr auf den Winter, glaube mir. Zudem ist es die dunkelste Jahreszeit, die Sonne geht erst um 9 Uhr auf und um 15 Uhr schon wieder unter. Es ist ganz natürlich, dass Menschen unter diesen Bedingungen depressiv werden, schließlich erleben sie ein halbes Jahr kaum oder kein Sonnenlicht.

Viele glauben auch, dass man auf Stockholms Straßen Eisbären treffen kann. Tatsächlich gibt es jedoch seit der letzten Eiszeit keine Eisbären mehr in Schweden und solange Eisbären nicht über 115 000 Jahre alt werden, besteht auch nicht die Gefahr, ihnen dort außerhalb des Zoos zu begegnen. Und wo es Eisbären gibt, können auch Pinguine nicht weit sein. Falsch! Lasst euch gesagt sein, Pinguine leben in der Antarktis und die liegt am anderen Ende der Welt.

Faszinierende Tiere, die es wirklich in Schweden gibt, sind z.B. Wölfe, Rentiere, Luchse und Elche. Straßenschilder mit einem Elch darauf weisen darauf hin, dass mit Elchen und Rentieren zu rechnen ist und besonders vorsichtig gefahren werden soll. Oft müssen diese Schilder allerdings ersetzt werden, da sie ein besonders beliebtes Souvenir bei deutschen Touristen sind und gerne geklaut werden. Sie landen dann an den Wänden in deutschen Heimen. Es mag ja sein, dass es über Schweden viel Merkwürdiges zu sagen gibt, dass aber Deutsche Elche so seltsam finden, dass sie sogar Schilder mit einem Elch darauf klauen, wird für mich immer ein Mysterium bleiben.  Therese Lindbom