El Dia de los Muertos

Wir feiern den Tod

Ariam del Roble Macias Herrera, Mexiko

Als ich kürzlich mit der Familie meines Freundes zu Abend aß, war die Stimmung düster, traurig und beklommen. Denn dies war kein gewöhnlicher Besuch, eine Woche zuvor war die Großmutter meines Freundes verstorben und die Familie trauerte um sie – wir waren auf einer Trauerfeier; alle waren schwarz gekleidet und blickten ernst. Diese Erfahrung war mir neu, denn in Mexiko veranstaltet man zu Ehren der Toten ein Freudenfest, bei dem die Menschen lachen, tanzen und bunte Kleider tragen. Ein gutes Beispiel dafür, wie man in Mexiko mit dem Tod umgeht, gibt meine Mutter. Wenn sie stirbt, sagt sie, möchte sie keine triste Trauerfeier. Im Gegenteil, sie wünscht sich eine fröhliche Beerdigung mit vielen bunten Blumen, leckerem Tequila und eine Mariachi-Band, die Lieder von Vicente Fernandez spielt.

Anders als in Deutschland ist man in Mexiko dem Tod gegenüber nämlich positiv eingestellt. Der Tod wird als ein natürlicher Teil des Lebens betrachtet, dem Geburt, Kindheit und Erwachsensein vorausgeht. Nach dem irdischen Leben setzt der Tote für die Mexikaner sein Leben im Jenseits fort. Wenn ein Familienmitglied stirbt, kommt die ganze Familie zusammen, um sich zu verabschieden. Auch wenn es eine traurige Zeit ist, versinken die Menschen nicht in Trauer, denn sie denken, die Toten wären beleidigt, wenn man ihrer nur mit ernster Miene gedenken würde. Auch nehmen die Verstorbenen weiterhin am gesellschaftlichen Leben teil. Denn nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten stets am 1. und 2. November jeden Jahres, dem Ende der Erntezeit, aus dem Jenseits zu Besuch. An diesen Tagen wird zu Ehren der Toten ein großes Volksfest, der Dia de los Muertos veranstaltet, bei dem die Toten gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen feiern. Der Schwerpunkt der Feier ist, sich zu erinnern und die verstorbenen Vorfahren zu ehren. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt zugleich.

Vergleichbar ist El Dia de los Muertos mit der amerikanischen Feier Halloween und der katholischen Feier Allerheiligen.

Am Dia de los Muertos treffen sich die Angehörigen an den Gräbern der Verstorbenen, die anlässlich des Festes besonders geschmückt werden. Am 1. November, dem Dia del los Inocentes, wird der verstorbenen Kinder gedacht. Ihre Gräber werden mit weißen Orchideen und Gipskraut geschmückt. Der 2. November, der Dia de Los Muertos, ist den verstorbenen Erwachsenen gewidmet, deren Gräber mit hellen, orangen Ringelblumen verziert werden.

Viele Familien bereiten Gaben für die Toten vor, die sogenannten oferendas. Denn es ist ein alter Glaube, dass die Toten nach ihrer langen Pilgerreise aus dem Jenseits müde und durstig auf der Erde ankommen. Daher werden Essen und Getränke für die Wiederkehr bereitgestellt. Dies umfasst zum Beispiel das Lieblingsgericht und das Lieblingsgetränk der Verstorbenen, ein süßes Brot (Pan de Muerto), ein Glas Wasser, Salz, Früchte und Süßigkeiten, wie etwa kleine Schädel aus Zucker (calaveras). Sogar Spielzeuge können für die Seelen der Kinder mitgebracht werden. Diese Gaben, sowie Kerzen und Portraits der Verstorbenen werden auf einem handgemachten Altar auf das Grab gestellt.

Geschichte des Dia de los Muertos

Die Ursprünge des Tages der Toten in Mexiko geht auf die Einheimischen Mesoamerikas, den Azteken, Mazas, Purepechas, Nahuas und Totonacs zurück. Das Ritual dieser Kulturen, das Leben der Vorfahren zu feiern, existiert seit etwa 3000 Jahren. Das Fest, das heutzutage als der Tag der Toten bekannt ist, fiel üblicherweise auf den neunten Monat des aztekischen Sonnenkalenders, ungefähr im August, und wurde einen ganzen Monat gefeiert. Die Feierlichkeiten wurden von der Göttin Mictecacihuatl, die als „Dama de la muerte“ bekannt ist, abgehalten. Als die spanischen Eroberer im fünfzehnten Jahrhundert Amerika erreichten, kamen ihnen die heidnischen Praktiken der einheimischen Bevölkerung unheimlich vor und sie versuchten die Einheimischen zum Katholizismus zu bekehren. Aus diesem Grund legten sie den Tag der Feierlichkeiten auf den ersten und zweiten November, so dass er mit den katholischen Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen übereinstimmte.

Obwohl der Tag der Toten in erster Linie eine mexikanische Überlieferung ist, wird das Ereignis in den Vereinigten Staaten und Kanada gefeiert, vor allem dort, wo es eine große mexikanische Bevölkerung gibt, wie zum Beispiel in Kalifornien oder im kanadischen Vancouver und in Britisch Columbia. Daneben ist El Dia de los Muertos auch in anderen Teilen Lateinamerikas und der Karibik verbreitet, die Brasilianer zum Beispiel feiern das Fest Finados.

Etwas zum Nachdenken…

Auf den einen oder anderen mögen die Totenrituale der Mexikaner vielleicht merkwürdig und befremdlich wirken. Ich glaube, wir alle können aus dieser Tradition etwas lernen und den Tod vielleicht positiver betrachten. Mir jedenfalls gibt diese Festlichkeit die Möglichkeit, mit meinen verstorbenen Verwandten jedes Jahr wieder zusammenzukommen. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass auf diese Weise die Toten nicht vergessen werden.

http://diadelosmuertos.yaia.com/historia.html

http://education.nationalgeographic.org/media/dia-de-los-muertos/

https://en.wikipedia.org/wiki/Day_of_the_Dead