Märchen und Sagen von verschiedenen Kontinenten

Die Rübe

In einem kleinen, weit entfernten Dorf wohnten eine Großmutter und ein Großvater. Sie hatten ein Enkelkind, ein Mädchen namens Olesia und einen Hund mit Namen Zhutschka sowie eine Katze, die Murka hieß. An einem wunderbar sonnigen Frühlingstag entschied sich der Großvater eine Rübe zu pflanzen. Alles ging gut, die Rübe wuchs während des Sommers zu einer stattlichen Rübe heran und im Herbst wurde es Zeit, sie herauszuziehen. Früh am Morgen stand der Großvater auf, um die Rübe zu ernten und der Großmutter zu bringen, damit sie daraus das Mittagessen zubereiten konnte. Aber sein Vorhaben erschien schwieriger als gedacht, denn als er an der Rübe zog, bewegte sie sich nicht von der Stelle. So oft er auch zog, es half nichts, die Rübe blieb, wo sie war, tief unter der Erde. Einen Moment dachte er nach, was zu tun war und rief die Großmutter, um ihm zu helfen. Der Großvater und die Großmutter zogen kräftig an der Rübe, aber die Rübe bewegte sich immer noch nicht. Sie riefen Olesia zu Hilfe. Der Großvater, die Großmutter und Olesia zogen mit vereinten Kräften an der Rübe. Trotz aller Mühe blieb die Rübe tief unter der Erde. Also riefen sie die Tiere herbei, zuerst den Hund Zhutschka und als das nichts half, die Katze Murka. Der Großvater, die Großmutter, Olesia, der Hund Zhutschka und die Katze Murka zogen an der Rübe. Diese bewegte sich zwar ein kleines Stück, kam aber noch immer nicht ganz heraus. Eine kleine Maus, die ganz in der Nähe wohnte, beobachtete die fünf und rannte herbei um mitzuziehen. Der Großvater, die Großmutter, Olesia – STOPP – ich erspare euch eine weitere Aufzählung. Ihr werdet es kaum glauben, aber mit Hilfe der Maus schafften sie es, die dicke Rübe aus dem Boden zu ziehen.

Was glaubt ihr, will uns dieses Märchen sagen? Als Kind verstand ich: Es ist sehr wichtig zusammen zu arbeiten, auch der kleinste von uns kann einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Weisheit, die Kinder groß werden und über sich hinauswachsen lässt. Deshalb wird dieses Märchen bei uns vermutlich auch von Genration zu Generation weiter erzählt: Ich hörte es von meiner Mutter, meine Mutter von meiner Großmutter, meine Großmutter von meiner Urgroßmutter und meine Urgroßmutter von… Snizhana Fedchenko


Chang E

Ein bekannte Sage in China ist die von Chang E. Chang E ist eine sehr schöne Frau. Eines Tages nimmt sie eine Medizin ein, die sie ewig leben lässt, und fliegt auf den Mond. Dort wohnt sie seitdem mit einem süßen Häschen und einem großen Baum. Chang E gilt in China als die Mondgöttin. Deshalb erfolgt die Erforschung des Mondes in China nach dem „Chang E Plan“. Hà Hồng Thuỷ Đặng, China


In Kolumbien gibt es viele mysteriöse Sagen. Zum Beispiel die Sage von „El Mohan“.

El Mohan ist ein Monster, das viele Haare auf dem Körper hat. Es hat große Hände, lange und scharfe Nägel. Besonders bei den Fischern ist El Mohan gefürchtet. Sie nennen ihn einen Wanderer, Abenteurer, Zauberer und Freigeist. Sie beschweren sich, weil er ihnen Ärger bei der Arbeit macht, beispielsweise verheddert er Fischernetze, entwendet Köder und Haken, er entführt sogar Männer, wenn sie nicht in die Kirche gehen oder wenn sie an einem heiligen Tag arbeiten. El Mohan verschleppt sie in Höhlen, die in den großen tiefen Flüssen liegen, von wo sie nie mehr auftauchen.

Die Waschfrauen nennen El Mohan den Mann in der Liebe, den Jäger von Mädchen, den Musiker, Hypnotiseur, den Betrüger und starken Mann. Als junge Frau muss man sich vor ihm in Acht nehmen, denn er taucht in der Regel als ein reicher Mann auf, der junge Mädchen, die ihm gefallen, in seine Höhlen verschleppt. Man erkennt ihn an seinen unzähligen goldenen Ringen, die er an der Hand trägt. Fischer berichten, dass sie das Lachen und Geschrei der verschleppten Frauen hören, wenn sie mit ihren Booten unterwegs sind. María A. Ortegón F., Kolumbien