Der Historiker

von Elisabeth Kostova

rezensiert von Veselina Nikolova

‚Der Historiker‘ ist ein Roman der US-Amerikanischen Autorin Elisabeth Kostova. Er ist ihr Debutwerk. Das Buch verknüpft sowohl historische Fakten als auch Volkslegenden und Fiktionen über den Fürsten Vlad Tepes, mehr bekannt als Dracula. Der Verlag des Romans (Little Brown) startete 2005 eine massive Marketing-Kampagne, woraufhin das Werk den ersten Platz der Bestsellerliste der New York Times erreichte. Das Buch wurde in 44 Sprachen übersetzt.
Im Grunde genommen erzählt ein 16-jähriges Mädchen die Geschichte. Es sucht verzweifelt nach seinem verlorenen Vater, der von Dracula entführt wurde. Dabei findet es Briefe, in denen der Vater beschreibt, wie er nach Dracula suchte. Der Inhalt der Briefe ist ein schöner Ausflug in die Zeit des Vlad Tepes. Man fühlt sich als stiller Beobachter der Geschichte.
Die Autorin schafft es, historische Fakten und Fiktionen zu verbinden, indem sie immer wieder fiktive Dokumente und Briefe einfügt und diese mit vielen Details aus der realen Geschichte des Balkans verknüpft. Im Gegensatz zu anderen romantisierenden Vampir-Romanen hält sich die Autorin stark an der historischen Persönlichkeit des Vlad Tepes, so dass ein spannender Schauerroman der bekannten Horrorgeschichte mit vielen biographischen Elementen entstand. Das Besondere an dem „Historiker“ ist, dass sich der Horror nur subtil abspielt, denn auf blutige Szenen, die die Draculavorlage bietet, wird verzichtet. Kostovas Dracularoman erzählt nicht den altbekannten Kampf zwischen Gut und Böse, sondern berichtet über eine Detektivarbeit, deren Ziel es ist, das Phantom zu stellen. Der absolute Höhepunkt wird erreicht, wenn der Meister selbst – nämlich Dracula – die Bühne betritt.
Ich habe das Buch gelesen, weil ich schon seit jeher von der Geschichte Draculas fasziniert bin und in Kostovas Werk eine neue Art der Aufarbeitung fand. Ich war so begeistert, dass ich nach Rumänien reiste, um das Schloss Draculas zu besuchen. Dort fragte ich verschiedene Reiseführer nach dem Grab von Vlad Tepes. Alle bestätigten mir, dass es leer ist. Historiker vermuten, dass Dracula mach seiner Ermordung in Konstantinopol bei der Rückführung in seinem Heimatort verschwand, und Dracula an einem bislang noch unbekannten Ort in Bulgarien beerdigt wurde.
Ich würde das Buch jedem empfehlen, der sich für Geschichte im Allgemeinen, ganz besonders aber für die Geschichte des Fürsten Vlad Tepes interessiert. Es ist definitiv ein Buch für den besonderen Geschmack. Da das Buch in einer altmodischen Sprache geschrieben ist, empfiehlt es sich, das Buch nur auf Deutsch zu lesen, wenn man schon über gute Deutschkenntnisse verfügt. Auch erfordert der Aufbau des Buches einen hohen Grad an Konzentration, da die Geschichte auf drei verschiedenen Zeitebenen spielt, die am Ende ineinander greifen.