Netzwerke gegen Korruption

Netzwerke gegen Korruption

Bachir Sylla (Elfenbeinküste)
Nicht der Mangel an Nahrungsmitteln allein, sondern auch korrupte Regierungen sind die Ursache für den Hungertod unzähliger Menschen in den so genannten Entwicklungsländern . Besonders von Korruption betroffen sind die Staaten südlich der Sahara. Unter den armen Ländern der Dritten Welt sind sie die ärmsten. Die Elfenbeinküste, das Land aus dem ich komme, gehört dazu. Dabei produzieren gerade sie zwei Drittel der weltweiten Kakaoernte (Elfenbeinküste 42%, Ghana 12%), liefern die Hälfte der Robusta- Kaffee-Ernte und ein Viertel der Welt-Tee- Ernte! Hinzu kommen sieben Prozent der globalen Baumwollernte und fünf Prozent der gesamten Erdölproduktion. Habt ihr das gewusst? Die Wirtschaft der Elfenbeinküste zum Beispiel stützt sich zum großen Teil auf die Landwirtschaft, die fast 50% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Daneben gibt es Bodenschätze wie Erdöl, Erdgas, Diamanten usw.Trotz dieses Reichtums nimmt die Zahl der Unterernährten in diesen Gebieten zu. Dies bestätigt auch die (FAO UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) in ihrem Bericht " The State of Food Insecurity ". Darin weist sie darauf hin, dass in den Camps gegen den Hunger kaum Fortschritte erzielt werden. Woran liegt das? In vielen Ländern der Sahara gibt es Kriege oder kriegsähnliche Zustände, die begleitet werden von Korruption. Die NGO (non-governmental organization) Transparency International (TI) führt einen Korruptions- Index, der mittlerweile 180 Länder umfasst. Unter ihnen sind die Entwicklungsländer am korruptesten. Korruption ist in den Entwicklungsländern an der Tagesordnung, sie ist bereits institutionalisiert, man kennt sich untereinander und bildet Netzwerke. Die Regierungsführer nutzen den Staat als Melkkuh für ihre eigene Bereicherung, bestechen und zeigen sich bestechlich. Ohne Schmiergeld läuft gar nichts. Die politisch Mächtigen haben freie Hand in vielen Gebieten. Auch ist es kein Geheimnis, dass afrikanische Präsidenten ihren gescheffelten Reichtum auf Konten in der Schweiz in Sicherheit bringen. Peter Eigen, Gründer und Vorsitzender der TI-Organisation, sagt dazu: "Der Missbrauch der politischen Macht für private Bereicherungen beraubt die Armen der Welt essentieller öffentlicher Dienste und schafft ein Niveau der Verzweiflung, welches zu Konflikten und Gewalt führt. " Das große, von seiner Regierung vergessene Volk zahlt für die von den Regierungen geschürten Konflikte den Preis. Die Sicherheitsorgane dieser Staaten sind teilweise so schwach oder korrumpiert, dass sich die Bürger nicht mehr sicher fühlen können und die Kriminalität auf den Straßen zunimmt. Doch Despotismus und Korruption gehen mit Hunger und Armut nicht nur Hand in Hand, sondern sind als ihre Hauptursache anzusehen! Deshalb ist das erste Gebot gegen den Welthunger der Kampf gegen Korruption! Um die Korruption zu bekämpfen gibt es noch viel zu tun. Korruption kostet Afrika Milliarden. Verschiedene Verantwortungen sind hier zu unterscheiden. Ein großer Teil der Verantwortung liegt bei uns selbst, ich meine bei uns Afrikanern. Afrikaner müssen selbst einen politischen Beitrag zur Verbesserung ihrer heiklen Lage leisten. Die Weichen dafür sind bereits gelegt: die neue politische Führungselite, die an die Macht kommt, versucht mit einem starken Willen mit den etablierten Korruptionspraktiken in den einzelnen Ländern zu brechen. Sie arbeitet zusammen mit mehreren nationalen und internationalen Sicherheitsorganen, um die Regierungsführung und die Beamtbestechung besser im Blick zu haben. Erste Erfolge gibt es beispielsweise in Nigeria und Südafrika. Dort wurden Bestechungen von Beamten aufgedeckt und die Täter verhaftet und verurteilt. Dazu kommt eine notwendige Veränderung der Rechtslage. Ein umfassendes Netzwerk im Kampf gegen Korruption wird aufgebaut. Einen großen, nicht zu vernachlässigenden Teil der Verantwortung für die schlechte Wirtschaftslage Afrikas tragen auch die den Weltmarkt beherrschenden, multinationalen Unternehmen der reichen westlichen Industriestaaten. Denn sie haben die Praxis der Korruption systematisch in die afrikanischen Länder hineingetragen. Es liegt in erster Linie an ihnen, faire Handelsbedingungen zu etablieren. Bislang hat Afrika, das doch über große Ressourcen an landwirtschaftlichen Erträgen und Bodenschätzen verfügt, auf dem Weltmarkt nur einen Marktanteil von knapp 1,5 Prozent. Auch ist für die hoch verschuldeten afrikanischen Länder überlebensnotwendig, dass ihnen ihre Schulden erlassen oder geringere Tilgungsraten gewährt werden.