Aberglaube auf Mauritius

Aberglaube auf Mauritius

Prisca Ferdinand (Mauritius)

Wenn man Mauritius hört, denkt man in Europa zuerst an Urlaub und träumt von schönem Wetter, weißen Stränden, riesigen Kokosnusspalmen und von blauem Wasser. Aber was sich hinter dieser Schönheit verbirgt, bleibt den meisten Touristen verborgen.

Schon in der frühen Kindheit wird uns beigebracht, beim Spielen Regeln zu beachten. So unterbrechen Kinder auf Mauritius um Punkt 18 Uhr ihr Spiel unter den Bäumen, um die Geister der Toten nicht zu stören, die um diese Zeit dort erscheinen. Man sollte es auch vermeiden, um diese Zeit auf den Friedhof zu gehen. Denn die Toten sollen ihre Ruhe haben, außerdem ist es die Zeit des Exorzismus. Während am Morgen die Geister unserer geliebten Toten auf dem Friedhof sind, gehört der Friedhof nachts dem Satan. Vor allem in der Nacht lauern Gefahren. Denn im Schutz der Dunkelheit kann alles passieren. Deshalb wird den Kindern eine Schere unter das Kopfkissen gelegt, um sie vor dem Bösen, das sie in ihren Albträumen aufsucht, zu behüten. Auch Knoblauch und Salz sollen gegen das Böse helfen. Beides wird in ein Taschentuch eingerollt und in der Faust getragen.

Die Angst vor dem Bösen setzt sich in der Jugend fort. Jugendlichen, die nachts gerne ausgehen, z.B. in die Disco und manchmal betrunken sind, wird dringend empfohlen, bei ihrer Rückkehr rückwärts ins Haus zu gehen, denn das Böse soll man lassen, wo es hingehört, nämlich draußen vor der Tür. Wer diesem Ritual nicht folgt, wird entweder schlecht schlafen oder sogar krank werden. Er wird an einer Krankheit leiden, die nicht diagnostiziert werden kann. Selbst wenn wir feiern, vergessen wir nicht unsere toten Angehörigen. Bevor wir selbst trinken, gießen wir für sie zunächst ein paar Tropfen unseres Getränks auf den Boden. Wer dies vergisst, wird sich während des Trinkens verschlucken.

Gleich ob Katholik, Muslim, Hindu oder Chinese, jeder auf Mauritius kann dem Aberglauben verfallen. Auch Voodoo (Geisterglaube), ein magisch-religiöser Geheimkult der Nachfahren afrikanischer Sklaven in Haiti, bei dem sich afrikanische, religiöse Vorstellungen mit christlichen und westindischen Elementen vermischt haben, ist auf Mauritius verbreitet. Manchmal werden geschnittene Zitronen, zerbrochene Kokosnüsse, Geldmünzen und Weihrauch auf Straßenkreuzungen gesehen. Sie sind Opfergaben der Hexen an den Teufel.

Wenn jemand einem anderen schaden will, kommt es nicht selten vor, dass er eine Hexe bezahlt, damit sie mit dem Teufel einen Deal macht, um der ungeliebten Person den Garaus zu machen.

Auf die Frage, ob man den Teufel wirklich sehen kann, antwortete mir meine Großmutter, dass sie immer Geister sehe und mit ihnen spreche. Was erstaunlich ist, denn meine Großmutter war bibeltreu und dort stehen solche ungläubigen Dinge nicht.

Vielleicht seid ihr jetzt desillusioniert, euer traumhafter Urlaubsort sieht nicht mehr so rosig aus wie vorher. Aber macht euch keine Sorgen. Ich bin dort geboren, groß geworden und bin ganz normal. Allerdings befürchte ich, dass ich meine Angst vor Geistern nie ganz überwinden werde. Egal, wo ich gerade bin, vergesse ich niemals, dass ich mich nachts nicht im Spiegel anschauen darf, weil die Geister auch im Spiegel erscheinen können. Noch schlimmer wäre es, wenn ich den Spiegel zerbrechen würde, denn dann würde ich sieben Jahre lang unglücklich werden. Jetzt versteht ihr sicherlich, warum die mauritianischen Kinder ängstliche Kinder sind. Andere Länder, andere Sitten, oder sollte ich besser sagen, andere Ängste?!