Die Legende vom Krakauer Drachen

Die Legende vom Krakauer Drachen

Agnieszka Satola (Polen)

Krakauer Drache
Vor vielen, vielen Jahren lebte in einer Burg auf dem Wawel-Berg oberhalb der Weichsel der legendäre König Krak. Er war ein großzügiger Herrscher, der sich immer sehr um das Wohl seiner Untertanen kümmerte. Er sorgte dafür, dass sie in Frieden und Wohlstand leben konnten. Eines Tages aber wurde das friedliche Leben gestört. In der Grotte unter dem Wawel-Berg hatte sich ein furchterregender Drache niedergelassen. Er war sehr wütend und die Bewohner mussten ihm, um ihn zu beunruhigen, eine bestimmte Zahl von Schafe vor seine Höhle legen. Wenn die Bürger die geforderte Anzahl von Vieh nicht liefern konnten, fraß er statt dessen einen Menschen auf. Seine Leckerbissen waren vor allem jungfräuliche Mädchen. Viele tapfere Ritter versuchten den Drachen zu töten, aber ohne Erfolg. Endlich gelang es aber dem König Krak, den Drachen mit einer List zu bekämpfen.

Er befahl ein mit Schwefel ausgestopftes Schafsfell vor den Höhleneingang hinzulegen. Man füllte also das Fell eines Schafes so aus, dass es wie ein echtes aussah. Der hungrige Drache fraß das schwefelhaltige Schaf auf, ohne den Unterschied zu bemerken, und verspürte kurz darauf ein fürchterliches Brennen im ganzen Körper. Er versuchte seinen brennenden Durst mit dem Wasser der Weichsel zu löschen. Er trank und trank. Dabei trank er so viel, dass man schon fast kein Wasser mehr im Fluss sehen konnte. Obwohl es in seinem Bauch keinen Platz mehr gab, trank er weiter, bis er schließlich mit einem lauten Knall zerplatzte. Daraufhin herrschte große Freude in der ganzen Gegend und zu Ehren des Königs Krak gab man der Stadt den Namen Krakau, um ihn in dieser Weise in Erinnerung zu behalten.

Die Wohnstätte des Drachen kann man heute noch besichtigen. Vor dem Eingang zur Grotte steht seit 1972 eine große Skulptur des Drachens, entworfen von einem der berühmtesten Künstler Krakaus, Bronislaw Chromy. Der Drachen spuckt symbolisch immer noch Feuer.