Auf Draculas Spuren

Auf Draculas Spuren

Eliza Lupu (Rumänien)

Drakula

Dracula, der Vampir aus Transilvanien, fasziniert seit Bram Stokers Roman von 1897. Dracula hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Aber wer ist Dracula? Lebt er noch oder hat er je gelebt?

Nicht nur in Stokers Roman, sondern auch in vielen Filmen, bei Curtis, Polanski, Herzog oder Coppola, wird unterstrichen, dass es sich bei Dracula um einen wahren Fürsten handelte, welcher 500 Jahre gelebt haben soll. Dracula ist ein Untoter, ein Wesen, das weder leben noch sterben kann.

 

Drakula
Und wer war nun Dracula, wenn er nicht nur eine Romanfigur sein soll? Es wird angenommen, dass Vlad III., ein rumänischer Fürst (1431-1476), als Vorbild für die blutdurstige Gestalt des Grafen Dracula verwendet wurde. Vlad III. hatte auch den Beinamen Draculea. „Drac“ plus den bestimmten Artikel „ul“ heißt auf Rumänisch „der Teufel“. Das ist aber nicht der Grund, weswegen er so genannt wurde. Er hat diesen Namen von seinem Vater Vlad Dracul II. geerbt. Dieser war Mitglied der höchst exklusiven „Societas Draconis“, einem Kampfbund gegen die Türken, er musste sich folglich Dracul nennen und von ihm kam der Titel auf den Sohn. Die Mehrheit der Rumänen kennen ihn unter dem Namen Vlad Tepes(auf deutsch „Vlad der Pfähler“).Drakula
Dieser Beiname wurde ihm auf Grund der Tatsache gegeben, dass er seine Gegner vorzugsweise gepfählt hat.

Ein Zeitgenosse Vlads schildert in seinem Türkischen Tagebuch, was das „Pfählen“ ist : „… Spieße aus Holz mit Unschlitt oder Talg … man bindet solchen Übeltätern Seile an die Füße, stößt ihnen den Spieß in den hinteren Leib hinein… Zuerst aber kniet der Delinquent mit einem in den Staub gedrücktem Haupte nieder, die angezogenen Oberschenkel gekreuzt; … und die Bahn hinreichend eingefettet, der Pfahl, aber nicht angespitzt, sondern abgestumpft, … die Organe beiseite schiebend, er wird fünfzig bis sechzig Zentimeter in den Mastdarm eingeführt, dann mit dem Delinquenten senkrecht aufgerichtet. Und der Körper mit seiner Schwere drückt Mann oder Weib hinab, und langsam dringt der Pfahl durch den Körper, sucht den tödlichen Weg.“ (www.sibiweb.de, Dieter Schlesak: „Die Dracula- Legende“) Diese Folter wurde übrigens nicht von dem wallachischen Fürsten erfunden, sondern war weit verbreitet, hauptsächlich im Osmanischen Reich, doch auch in anderen Teilen Europas.

Über Vlad Tepes wurden viele Geschichten erzählt. Angeblich ließ er Tausende von Feinden pfählen, tötete seine Frauen, zwang seine Opfer zum Kannibalismus, trank das Blut seiner Opfer, ließ viele Menschen mit glühenden Eisen foltern, in heißem Wasser kochen und zwang die Zigeuner zum Kriegsdienst, indem er sie vor die Wahl stellte, gegen die Türken zu kämpfen oder ihre eigenen Kinder zu verspeisen.

Diese Erzählungen und andere über die grauenhaften Bluttaten Tepes’ wurden von den Sachsen Siebenbürgens verbreitet, deren Privilegien durch die protektionistischen Maßnahmen des walachischen Fürsten stark beeinträchtigt wurden. Nach den russischen und rumänischen Chroniken hat Vlad dagegen Menschen gepfählt, um die Türken, die Reichen und Korrupten abzuschrecken. Durch diese Methoden sollte die Walachei erst ein starker und organisierter Staat geworden sein. Dennoch kann man annehmen, das Vlad Tepes ein Mann seiner Zeit gewesen ist, einer Zeit, in der die Grausamkeit eine der von Fürsten verwendeten Methoden war, um ihre Ziele zu erreichen.

Der für seine Zeit sehr gebildete und polyglotte Vlad III. wurde während der Ceausescus Ära als großer Staatsmann, Diplomat, Heerführer und Patriot verehrt . Das ist übrigens das Bild, welches die Mehrheit der Rumänen von Vlad Tepes heutzutage noch hat.

Was die Bram Stokers Romanfigur Dracula anbelangt, war diese in Rumänien bis 1989 fast unbekannt. Bram Stokers Roman und deren Verfilmungen waren dem rumänischen Publikum unzugänglich, da das Buch in Rumänien verboten war. Nach 1989 wurde Rumänien, insbesondere Siebenbürgen (Transilvanien), von Draculas Fans heimgesucht. Alle suchten Draculas Schloss, welches mit so viel Genauigkeit und Detailliebe von Bram Stoker beschrieben wurde. Bedauerlicherweise gibt es dieses Schloss in Rumänien nicht. Aus der Sicht der Rumänen ist Dracula nur eine Romanfigur, die von einem irischen Autor erfunden wurde, welcher nie Rumänien besucht hat. Seine Geschichte ist eine seltsame Mischung aus geographischen und historischen Beschreibungen und Vampirsage aus Siebenbürgen.

Dieser Zustand stellt die rumänischen Behörden vor ein Dilemma: Zum einen möchten sie den Tourismus ankurbeln, zum anderen haben sie die Verpflichtung, den Unterschied zwischen Bram Stokers Romanfigur und der historischen Gestalt Vlad III. zu verdeutlichen. Das wurde bedauerlicherweise noch nicht zufriedenstellend gelöst, da die meisten so genannten „Dracula“-Rundreisen sich der historischen Plätze bedienen, die in Zusammenhang mit Vlad Tepes stehen.

Jenseits dieser Gegensätze ist jedoch klar, dass Dracula für die Rumänen eine Herausforderung ist. Die Frage ist, ob es den Rumänen gelingt, sowohl der historischen als auch der fiktiven Gestalt die jeweilige notwendige Anerkennung zukommen zulassen. Diese Frage wird uns auf kurz oder lang die Geschichte beantworten.

Illustration: Elena Agapova

Quelle:

http://www.fledermauskunde.de/fbio-dra.htm http://www.romaniatravel.com/ http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060613 http://berserks.de/Vampire/vtepes.htm http://www.battleground.ch/backgrounds/vladtepes/vladtepes.html