Der erste Tag am Studienkolleg

Der erste Tag am Studienkolleg

Bogdana-Lucia Draghici (Deutschland)

Nun stand ich davor, eine von circa 200 StudentInnen. Die meisten von uns prägte ein verunsicherter, panischer Gesichtsausdruck. Jeder einzelne von uns war auf sich selbst gestellt. Die Tatsache, dass alle fremd in diesem Land sind, nahm mir etwas meine Unsicherheit. Eine Ungewissheit blieb jedoch! Versteht man sich? Finde ich schnell den Anschluss zu den anderen Studierenden und zum Unterricht? All diese Gedanken gingen mir in diesem Augenblick durch den Kopf, wie schon die Tage zuvor. Nun gut, ich fasste all meinen Mut zusammen, steckte mir schnell noch eine Zigarette an und wusste, jetzt muss ich da durch.

Ich ging hinein. Alle anderen hatten sich schon unten vor dem Sekretariat versammelt. Eine Liste hing aus mit der Verteilung der Kurse und der Räume. Ich ging in den Raum, in dem bereits KommilitonInnen aus meinem neuen Kurs warteten. Warteten auf was? Keiner von uns wusste, wie es jetzt weitergehen sollte. Die Wartezeit wurde genutzt, um einander zu „beschnuppern“. Man kam ins Gespräch und die Angst und Verunsicherung wurden im Laufe des Gesprächs weniger.

Ich stellte fest, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Nachdem wir mit der Vorstellungsrunde durch waren, war die Entscheidung der Sympathie gefallen. In der Pause ging es mit dem intensiven Kennen lernen weiter. Ich stellte mich zu zwei Kommilitonen aus meinem Kurs. Neben uns stehend unterhielten sich zwei Personen, die sich nicht kannten. Ungewollt bekam ich die Unterhaltung mit. Es waren ein Junge und ein Mädchen. Das Gespräch lief abwechselnd. Woher kommst Du? Wie alt bist Du? Welche Nationalität hast Du? usw. Nun kam der junge Mann zu der entscheidenden Frage: „Wie bist Du nach Deutschland gekommen?“. Die junge Frau antwortete höflich: „Als Au Pair.“ Die Unterhaltung setzte sich fort, denn die Neugier des jungen Mannes war nicht zu stillen. Und somit erfolgte gleich darauf die nächste Frage: „Oh, das ist schön, und welche Art von Musik singst du in der Oper?“ Ich musste über dieses sprachliche Missverständnis schmunzeln und lachte innerlich. In dem Augenblick war ich klar im Vorteil, denn ich verstand!

Nach etwa zwei Monaten hatte sich das Rad gedreht. Derselbe junge Mann, über den ich zuvor gelacht hatte, saß neben mir im Matheunterricht und half mir bei einer für mich unlösbaren Aufgabe. Er brachte mich auf die Lösung! Jeder hat seine eigenen Hürden zu überwinden. Diese Erfahrung motiviert mich und lässt mich noch stärker an mein Ziel glauben.