Tot ohne Krankenschein

Tot ohne Krankenschein

Lilia Rupcheva (Russland)
Von Russland aus betrachtet scheint das Gesundheitssystem in Deutschland fast perfekt zu sein. Die Krankenhäuser sind neu und sehr komfortabel, die Geräte sind „das letzte Wort der Technik“, wie wir in Russland zu sagen pflegen, die Ärzte sind professionell und sehr freundlich. Aber wenn man dann tatsächlich als Ausländer nach Deutschland kommt und es einem passiert, dass man plötzlich krank wird und eine ausländische Krankenversicherung in der Tasche hat, wird man in den deutschen Krankenhäusern ganz anders behandelt als erwartet. Wenn man nicht vorhat, in 10 Minuten zu sterben, dann ist man kein Notfall und somit kein Fall für die Ärzte in den Krankenhäusern. Man muss zu einem niedergelassenen Arzt gehen. Da ist auch alles schön und modern, doch schon bei der Anmeldung erklärte mir die Sprechstundenhilfe sehr höflich, dass meine russische Krankenversicherung in Deutschland nicht gültig ist, aber wenn ich wirklich Schmerzen hätte, könnte ich 200 Euro bezahlen und würde sofort nach den besten Bedingungen versorgt. Daraufhin versuchte ich mich möglichst schnell bei einer deutschen Krankenkasse zu versichern, bevor ich noch zum Notfall für die Krankenhäuser würde. Aber die Versicherungsgesellschaft erklärte, wenn ich jetzt mit meinen Beschwerden zum Arzt ginge, würden sie die Behandlung nicht bezahlen, weil ich schon krank war, bevor ich mich bei ihnen versichert hatte. Die Schlussfolgerung ist: wenn man nicht ausreichend krankenversichert ist, soll man entweder gesund bleiben oder fast tot sein, sodass die Ärzte einen als Notfall im Krankenhaus aufnehmen. Aber auf keinen Fall soll man zeigen, dass man noch sprechen kann, weil dann die Besprechung der Bedingungen der Krankenversicherung zuerst stattfindet.