Ein „Gaou“ in Deutschland

Ein "Gaou" in Deutschland

Stephane Kouassi (Elfenbeinküste)
Stephane"Gaou“ ist Ivorisch und bedeutet, dass sich jemand in einer Situation, an einem Ort oder in einer Kultur befindet, in der er sich nicht auskennt und verlassen fühlt. Als „Gaou“ kann ich meine Situation beschreiben, als ich mein geliebtes Côte d’Ivoire verließ um nach Deutschland zu reisen – ein kalter Sommer. Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich am Goethe-Institut in Abidjan, unserer Hauptstadt, einen Deutschkurs besucht. Auch Landeskunde war im Programm. Doch wie groß war mein Schock, als ich nach Deutschland kam. Der Sommer war so kalt wie bei uns der Winter. Schrecklich habe ich meinen ersten Kontakt mit der U-Bahn in Erinnerung. Noch nie in meinem Leben war ich mit so vielen Weißen in einem geschlossenen Raum, ich fühlte mich wie ein Tropfen Wasser im Meer. Hinzu kam die Geschwindigkeit dieser Höllenmaschine, mir wurde ganz schwindelig. Und noch schlimmer, wir fuhren mehrere Minuten unter der Erde. Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Heute bin ich daran gewöhnt mit der U-Bahn zu fahren und weiß mehr über die Kultur meines Gastlandes. Nach wie vor fällt es mir aber schwer zu akzeptieren, dass in einem Restaurant die Rechnung von Mann und Frau getrennt bezahlt wird. „Zusammen oder getrennt“ wird immer gefragt, wenn man die Rechnung verlangt. Natürlich zusammen und der Mann bezahlt, so ist es bei uns Sitte. Auch kann ich mich nicht daran gewöhnen, dass sich Menschen offen auf der Straße küssen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob sie dabei gesehen werden.