Hund

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Xinrong Guo (China)

XinrongWas taucht in Ihren Gedanken auf, wenn Sie an Deutschland denken? Sicher Bier oder Fußball. Was mich betrifft, denke ich sofort an Hund. Vielleicht versetzt Sie diese Antwort in Erstaunen. Doch während China die östliche Kultur vertritt, ist Deutschland ein typischer Vertreter des Abendlandes. Wegen dieser großen Kluft der Kulturen gerate ich häufig in Schwierigkeiten, seitdem ich in Deutschland wohne. Zunächst habe ich ein sprachliches Problem. Dazu kommen geographische Schwierigkeiten, nämlich die Namen von Straßen und damit die Orientierung zu behalten. Aus diesem Grund ist es meiner Meinung nach ein „Muss“, immer einen Kompass mitzunehmen. Außerdem werde ich gemäß dem Sprichwort „Aller Anfang ist schwer“, mit vielen kleinen Problemen konfrontiert. Im Laufe der Zeit verschwinden diese Probleme aber. Trotzdem gibt es noch ein riesiges Problem, das ich einfach nicht besiegen kann: HUNDE! Ich habe Angst vor Fleischfressern, und der Hund ist selbstverständlich keine Ausnahme. Ich möchte vor allem betonen, dass ich Hunde nicht hasse. Ich sehe sie mir sogar gerne an.

Nachdem der Besitzer dem Hund einen Befehl gegeben hat, macht er genau das, was man ihm sagt, wie ein braves Kind. Was ehrlich ein Wunder ist! Da lacht mir das Herz. Aber wenn der Hund dann zu mir kommt, schlägt mein Herz bis zum Hals, egal wie nett und hübsch er ist. Es passiert automatisch, dass ich auf einen Hund mit Stress reagiere. Der Grund liegt wahrscheinlich in der unterschiedlich kulturellen Erziehung. Ich halte immer eine bestimmte Distanz zu Hunden, weil sie auf mich ein bisschen gefährlich wirken.

Am Anfang meines Aufenthalts in Deutschland wies ich die Hundebesitzer auf meine Angst hin, wenn ich an ihren Hunden vorbeigehen musste. Anders als ich erwartet hatte, warfen die Besitzer mir dann manchmal kritische Blicke zu, was mir unangenehm war. Da ich mit derartigen Situationen jeden Tag konfrontiert werde, muss ich mir so schnell wie möglichetwas einfallen lassen. Ich habe zwei Alternativen: entweder einen Umweg gehen, sobald ich einen Hund sehe, oder mir ein Herz fassen und weitergehen, so als ob ich keinen Hund gesehen hätte.

Liebe Freundinnen und Freunde, das hier geschilderte Problem ist eigentlich nicht mein Fehler. Ich möchte auch nach dem Grundsatz leben, „when you are in Rome, do as a Roman“, aber ich bin leider nicht in der Lage, ohne Angst weiterzugehen. Meine Situation ist wissenschaftlich erklärbar. Wie ein Philosoph berichtet, wird ein großes Tier kaum unserer Aufmerksamkeit entgehen, denn es bedeutet in aller Regel nichts Gutes. Taucht dieses große Tier jedoch regelmäßig in unserer Umgebung auf, ohne dass etwas Schlimmes passiert, so verschwindet selbst ein so großes Tier zunehmend aus unserem Bewusstsein. Das heißt, wenn Sie einen auf der Straße gehenden riesigen Hund sehen, beansprucht er vielleicht nicht Ihre Aufmerksamkeit, während jedoch meine Aufmerksamkeit ganz auf ihn gerichtet ist. Stellen Sie sich vor, Sie würden Birma besuchen. Meiner Einschätzung nach werden Sie sich dann beim Anblick eines Elefanten auch nicht so verhalten, als würden Sie einen Hund sehen, dessen Anblick Ihnen zu Hause vertraut ist. Vielleicht können Sie sich jetzt in meine Lage versetzen und mich ein bisschen verstehen. Es besteht kein Zweifel, dass das Problem weder die braven Hunde noch ihre Besitzer betrifft, sondern meines ist. Ein solches Problem zu überwinden ist nicht so einfach. Ich brauche dafür Zeit und muss mich an den Anblick von Hunden gewöhnen.

Frankfurt ist eine internationale Metropole. Viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Religionen leben hier zusammen und sind in der Lage, freundlich miteinander umzugehen. Deswegen dürfte es auch nicht so schwer sein, dass Hundebesitzer ein bisschen mehr Rücksicht auf Leute wie mich nehmen, die Angst vor Hunden haben. Zumindest sollten sie keine unangenehmen Blicke auf Menschen werfen, die sich nicht trauen, an ihren Hunden vorbeizugehen.