Klischees von Schweden

Manchmal werde ich gefragt, woher ich komme. Wenn ich „aus Schweden“ antworte, ergeben sich oft kuriose Dialoge. Ich habe schon erlebt, dass mein Gegenüber darauf erwiderte: „Ja, dort war ich auch schon einmal, besonders Zürich finde ich sehr schön.“ „Die Hauptstadt von Schweden ist doch Zürich, oder?“ Oder manche glauben, dass die Muttersprache der Schweden Deutsch ist. Am Anfang dachte ich, dass man mich wegen meiner Aussprache nicht richtig verstanden und Schweiz statt Schweden gehört habe. Was aber ein Irrtum war, manche verfügen wohl über wenige geografische Kenntnisse und setzen tatsächlich Schweden mit der Schweiz gleich. Oft höre ich auch die Antwort: „Aus Schweden...?“ Dann wandert ihr Blick an mir herab und sie sehen eine kleine Person mit dunkelblonden Haaren und grünen Augen vor sich. „... Aber ich dachte Schweden sind groß, haben blonde Haare und blaue Augen!“ Dies ist eines der weit verbreitetsten Vorurteile über Skandinavier, dabei trifft diese Beschreibung auf nur knapp die Hälfte der skandinavischen Bevölkerung zu. Vielleicht wünschen sich aber auch die Menschen, dass wir im Norden so aussehen und es entspricht ihrem Geschmack. Wenn man an Schweden denkt, denkt man unweigerlich an Schnee und Kälte. „Wie kann man bloß frieren, wenn man aus Schweden kommt, wo doch dort alle in Iglus wohnen und die Kinder in Skiern zur Schule fahren“, bekomme ich oft zu hören. Das stimmt natürlich nicht und wir frieren genau so viel wie alle anderen. Nur weiß eben jeder Schwede, dass es im Winter kalt wird und zieht sich vorsorglich warm an. Das bedeutet aber nicht, dass wir von Natur aus ,weniger frieren, sondern dass wir einfach klug genug sind,unsere Kleidung dem Wetter anzupassen. Ebenso finden viele, dass die Menschen in Schweden sich zu oft über das Wetter beschweren. Ich würde sagen, wer so etwas behauptet, sieht das Land sehr oberflächlich. Natürlich findet man Schnee und Kälte schön, wenn man eine Woche im Skiurlaub in Schweden verbringt, aber das praktische Leben im Winter kann auf Dauer sehr anstrengend sein, wenn fast alles vom Wetter abhängig ist. Stell dir vor, draußen ist es völlig dunkel, mindestens minus 15 Grad Celsius,dir steht der Schnee bis zu den Knien und du müsstest 20 Zentimeter Schnee vom Auto bürsten und dann Eis von den Scheiben kratzen, und das jeden Morgen. Wenn man das fünf Monate im Jahr erfahren muss, hat man keine Lust mehr auf den Winter, glaube mir. Zudem ist es die dunkelste Jahreszeit, die Sonne geht erst um 9 Uhr auf und um 15 Uhr schon wieder unter. Es ist ganz natürlich, dass Menschen unter diesen Bedingungen depressiv werden, schließlich erleben sie ein halbes Jahr kaum oder kein Sonnenlicht. Viele glauben auch, dass man auf Stockholms Straßen Eisbären treffen kann. Tatsächlich gibt es jedoch seit der letzten Eiszeit keine Eisbären mehr in Schweden und solange Eisbären nicht über 115 000 Jahre alt werden, besteht auch nicht die Gefahr, ihnen dort außerhalb des Zoos zu begegnen. Und wo es Eisbären gibt, können auch Pinguine nicht weit sein. Falsch! Lasst euch gesagt sein, Pinguine leben in der Antarktis und die liegt am anderen Ende der Welt. Faszinierende Tiere, die es wirklich in Schweden gibt, sind z.B. Wölfe, Rentiere, Luchse und Elche. Straßenschilder mit einem Elch darauf weisen darauf hin, dass mit Elchen und Rentieren zu rechnen ist und besonders vorsichtig gefahren werden soll. Oft müssen diese Schilder allerdings ersetzt werden, da sie ein besonders beliebtes Souvenir bei deutschen Touristen sind und gerne geklaut werden. Sie landen dann an den Wänden in deutschen Heimen. Es mag ja sein, dass es über Schweden viel Merkwürdiges zu sagen gibt, dass aber Deutsche Elche so seltsam finden, dass sie sogar Schilder mit einem Elch darauf klauen, wird für mich immer ein Mysterium bleiben.  Therese Lindbom