Medien II

Medien II

Nadja Zimina (Ukraine)

Die Medien haben einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Zivilisation geleistet. Heute sind sie allgegenwärtig. Medien begegnen uns zu Hause, im Studium, im Beruf und in der Freizeit in einer großen Dichte und einer Fülle von Erscheinungsformen. Unser Wissen reicht um die ganze Welt, weit in die Vergangenheit und wird ständig aktualisiert.

Mit den verschiedenen Masseninformationsmitteln kann das Allgemeinwissen bereichert und der Horizont eigener Erfahrungen erweitert werden. Wir können zum Beispiel mittels Fernsehen und Internet ferne Länder und fremde Kulturen kennen lernen, die uns sonst verborgen geblieben wären. In Spielfilmen können wir beobachten, wie Menschen aus aller Welt Situationen, wie wir sie aus unseren Alltagserfahrungen kennen, auf andere Weise gestalten, und wie sie Probleme, die auch wir haben, ganz anders lösen. Wir können sogar unsere sprachlichen Fähigkeiten entwickeln, was natürlich sehr gut ist. Aber Medien übermitteln nicht mehr nur einfach Informationen. Sie beherrschen unseren Alltag, und es werden immer wieder neue Methoden ausgedacht, diese Macht zu vergrößern, immer neue Werkzeuge geschaffen und verfeinert, nicht um die Menschen zu informieren, sondern auch um sie zu beeinflussen, zu manipulieren. Masseninformationsmedien sind in den wenigsten Fällen Auslöser für aggressives Verhalten. Die Ursachen dafür liegen im Normalfall in den sozialen Verhältnissen, unter denen Jugendliche aufwachsen. Die Befürchtung, dass Menschen immer aggressiver werden, wenn sie sich gewalthaltige Fernsehsendungen, Kinofilme oder Computerspiele anschauen, ist weit verbreitet.

Dieses Abtauchen in mediale Welten führt – so wird befürchtet – zu sozialer Isolation und zum Verlust des Realitätsbezugs. Normalweise sind Medien für uns eine von vielen Beschäftigungen und sie werden auch nicht nur zur individuellen Beschäftigungen genutzt. Wir sehen im Gegenteil mit anderen gemeinsam fern und sitzen zusammen vor dem Computer, wir treffen uns, um im Freundeskreis einen Videofilm anzuschauen und unsere Gesprächsthemen sind die Neuigkeiten aus der Lieblingsserie. Wenn wir uns jedoch in die Welt der Medien zurückziehen und von unserer sozialen Umwelt nichts mehr wissen wollen, geschieht das oft, weil wir unsere Realität als unbefriedigend oder belastend erleben. Die Medienwelt erscheint dann als die „bessere“ Alternative: Spannendes und Unterhaltsames sorgen für die Ablenkung von Sorgen und Problemen, im Gegensatz zum Alltagsleben bewirkt das Geschehen auf dem Bildschirm weder Leistungsdruck noch Versagensängste. Das kann man wirklich als Realitätsflucht bezeichnen.

Radio, Fernsehen, Presse faszinieren uns und wir entdecken immer Neues und Aufregendes in den vielfältigen Medienwelten, zu denen wir heute Zugang haben. Manchmal sind wir davon so begeistert, dass wir gar nicht mehr von diesen Medienwelten lassen wollen. Folgen sind Abhängigkeit, Kontrollverlust und Verlust der sozialen Bindung. Unsere Wirklichkeitswahrnehmung wird also von den Medien bestimmt; die moderne Gesellschaft wird daher als „Mediengesellschaft“ bezeichnet. Täglich wird von Ereignissen, Katastrophen, Umweltzerstörung, Krieg, Völkermord berichtet. Wir hören davon und lesen darüber beim Frühstück, Mittagessen und Abendbrot, bei der Arbeit und in der Freizeit. Um sich davor zu schützen, hilft meist nur eins: Abschalten – entweder das Medium oder das Gehirn. Und das sollten wir alle bedenken, weil auch in der Zukunft Medien eine wichtige Rolle spielen werden. Es hängt nur von uns ab, ob wir unser Bewusstsein unabhängig von Beeinflussungen solcher Art machen werden. Die Entscheidung liegt bei uns.

 

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